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Shark 24, Ausbau zum Fahrtensegeln
Vorab  Wir haben über mehrere Jahre Törns mit unserer Shark unternommen, zuerst ohne jeglichen Innenausbau (Originalton Felix: “Ihr mit Eurem Betonschiff!”), dann wuchsen langsam die Ideen und Anforderungen für den Ausbau zum Fahrtenschiff.
Diese Zeit war wichtig, weil Platz auf der Shark immer – egal wie geschickt ausgebaut wird – zuwenig da ist und man sich sehr genau überlegen muß, was man wirklich braucht. Andererseits sind diese Überlegungen sehr individuell: was für uns gut war, wird für andere nicht brauchbar sein.
Wir segeln unsere Shark auf Törns immer zu zweit, als Paar. Mehr als zwei Personen sind auf der Shark bei Törns über mehrere Tage oder gar Wochen nicht zumutbar.
Wir benutzen das Vorschiff nicht zum Schlafen, uns ist es dort zu eng.
Wir kochen nicht auf dem Schiff, außer Frühstück und vielleicht mal einer Dosen-suppe ist die Pantry nicht gefordert.
Duschen, waschen usw., naja nach Seemannsart eben! Wir sind sowieso jeden zweiten, spätestens dritten Abend in einer Marina.
Man muß sehr genau überlegen, was man unterwegs wirklich braucht, alles andere muß bei so einem kleinen Schiff eh zu Hause bleiben! Kompromisse sind bei der Shark mit ihren beengten Platzverhätnissen dauernd erforderlich.
Es bleiben immer noch genügend Kleinigkeiten übrig, die man so im täglichen Leben braucht – von der Nagelschere bis zu Kamera, Filmen, Taschenlampe, Ladegerät fürs Handy usw. usw. All das muß einen angestammten Platz haben; wenn es sich im Schiff rumschmeißt, wird das Leben an Bord zu einer einzigen Sucherei und der Bordfrieden bleibt auf der Strecke.
Auf eins muß man beim Ausbau sehr achten: Gewicht! Die Shark veträgt von Haus aus nicht allzuviel Zuladung. Und man schleppt doch einiges ins Schiff, wenn man auf einen längeren Törn geht. Alle Ausbauten müssen deshalb in “extremem Leichtbau” gemacht werden, sonst wundert man sich irgendwann, wo der vertraute Wasserpaß geblieben ist! Und ... Fahrtensegler bleiben ja meistens auch immer noch Regattasegler! Da ist natürlich jedes zusätzlich Kilo von übel. Auch deshalb: Leichtbau!!! Spanplatten sind absolut verboten. Ich habe (außer der Verstärkung für den Mast) alles aus 5 bzw. 9 mm Sperrholz gebaut. Steifigkeit wird durch Leisten an den belasteten Stellen erreicht.
Für Regattasegler wichtig: möglichst alles sollte leicht ausbaubar sein, um auf ein vernünftiges Regattagewicht zurückbauen zu können.
Vorschiff
Angefangen hat`s damit, daß eine Verstärkung für den Mast in der Kabine erforderlich wurde: das Kajütdach unter dem Mastfuß war weich, unsere Shark hielt die Riggspannung nicht (besonders bei Regatten und höheren Windstärken).  Die vorhandene Aussteifung unter dem Kajütdach vor dem Hauptschott wurde durch zwei senkrechte Stützen auf ein Querlager abgestützt, das quer auf beiden Sitzbänken der Innenschale im Vorschiff aufliegt. Ich habe es sicherheitshalber noch mit M5 Schrauben auf den Sitzbänken angeschraubt.
Beim Einbau (Mast gelegt) wurde das Kabinendach mit einem hydraulischen Wagenheber minimal angehoben, sodaß die beiden senkrechten Stützen nach dem Absenken des Wagenhebers unter Spannung stehen. Seitdem gibt es keine Probleme mehr bei größerer Riggspannung.
Als Material für die Stützen habe ich Multiplex-Sperrholz genommen: 2 x 16 mm aufeinandergeleimt. (Im nach hinein glaube ich, daß das überdimensioniert ist: 1 x 16 mm hätten es auch getan!)
Der verbliebene Raum im Vorschiff ist jetzt Segelstauraum und bietet zusätzlich Platz für sperrige Sachen (z.B. die Gangway, die in Mittelmeer-Marinas unbedingt erforderlich ist!).
 Weil es im Stauraum immer aussah wie bei Hempels unter`m Sofa, hat die Schiffsfrau auf einer Abtrennung zum (gemütlichen) Wohnzimmer bestanden. Eine Fensterjalousie von IKEA, auf die passende Breite gekürzt, war die optimale (und billigste) Lösung.
Das Schiffsinnere wird (besonders im sonnigen Mittelmeer) durch die Plexiglasscheibe des Vorschiffluks sehr stark aufgeheizt. Deshalb und weil ich immer Dichtungsprobleme mit dem Plexiglas hatte, habe ich die Plexiglasscheibe durch eine entsprechende Holzplatte ersetzt. Es ist erstaunlich, wieviel kühler es jetzt im Schiff ist!
Der Platz zwischen Hauptschott und der neuen Mastunterstützung bietet sich nun für zwei Kleider”schränke” an, Backbord für den Skipper, Steuerbord für sin Fru. Böden und Türen aus 5 mm Sperrholz mit Leistenrahmen. Als (seefesten) Verschluß habe ich Magnete eingebaut, das hat sich gut bewährt.
 In die beiden Schränke passt die gesamte Urlaubsgarderobe (die im Sommer ja ohnehin überwiegend aus T-Shirts besteht) und auch das “kleine Schwarze” für die Bootsfrau zum abends schick ausgehen. Solche Schränke sind für Garderobe viel bequemer und praktischer als die Schapps unter den Kojen. Die Schapps sind gut für Getränke (dort bleiben sie einigermaßen kühl, weil sie unterhalb der Wasserlinie sind), für Konserven sowie für Segelklamotten, Schwimmwesten usw. Außerdem muß man unterwegs immer mal damit rechnen, daß etwas Wasser in die Kabine kommt. Weil die Shark keine Bilge hat, sammelt es sich immer in den Schapps unter den Kojenbänken ... und die ganze Garderobe ist versaut!
Oberhalb der beiden Schränke sind noch zwei kleine Schwalbennester. Auf der Steuerbordseite stehen bei uns immer die Bücher, die für die Navigation gebraucht werden (Hafenhandbücher, Bordbuch mit allen Schiffsunterlagen usw.). Auf der Backbordseite ist Platz für die (mehr oder weniger schöngeistige) Bordliteratur. Querleisten vorn verhindern, daß die Bücher bei Lage rausfallen. Sie können nach oben geschoben werden, wenn man ein Buch rausnehmen will.
Toilette
Jetzt kommt ein ganz wichtiges Thema: wie soll man auf einer Shark ein Klo unterbringen? Wir sind absolut keine Freunde von Chemieklo`s und Portapottis. Wenn ich an das Ausleeren und saubermachen denke ... brrrrr!!. Außerdem finde ich, daß die immer irgendwie müffeln! Ich weiß, das Thema ist heikel, aber ein vernünftiges Klo an Bord ist nun mal die wichtigste Ausrüstung für ein Fahrtenschiff. Wer hat nicht schon beim Platzsuchen und Anlegen in irgendeinem Hafen die klägliche Stimme seiner Bordfrau gehört: “Du, ich glaube ich muß mal ganz schnell ...” Ja wie denn, ich weiß doch noch garnicht, wo wir anlegen können! Und wenn wir notdürftig fest sind, hetzt die Bordfrau in gestrecktem Galopp über den Steg auf der Suche nach einem Klo (wenn`s denn noch zeitig genug ist ...)!
Wie gesagt: ein heikles Thema! Ich kann Euch versichern, wenn Ihr das Kloproblem nicht löst, ist Eure besserer Hälfte genau zweimal mit auf Törn gewesen: das erste und das letzte mal!
Bei uns hat sich die Klolösung durch Zufall ergeben. An einem verregneten Hafentag beim Bummeln durch Enkhuizen hat es uns irgendwie in ein Haushaltswarengeschäft verschlagen (ich glaube wir brauchten einen neuen Korkenzieher). Plötzlich ein Aufschrei: “Lüder, komm mal schnell, ich hab`s!”
Ein ordinärer Papierkorb aus Blech mit einem abnehmbaren Kunststoffrand, damit die Mülltüte im Papierkorb sicher hält.
Genau, das ist die Lösung! Und das Problem mit dem nicht vorhandenen Fäkalientank ist auch gleich noch mit vom Tisch!
Seitdem führt dieser Papierkorb bei uns an Bord ein ehrenwertes Leben als Bordklo!
Er hat eine Sitzbank als Zuhause, die auch noch das Kramen in den Schränken erleichtert (wegen der Stehhöhe von 1,3 m ist in der Shark immer Sitzen angesagt).
Ein Knoten in die Mülltüte und sie ist absolut dicht. Statt der Bordfrau im Galopp sieht man jetzt den Skipper fröhlich pfeifend nach dem streßfreien Anlegemanöver den Bordmüll (inklusive ...) entsorgen.
Vor der Klo-Sitzbank ist noch Platz für Batterie, Laderegler der Solarzelle und Hauptsicherung.
Damit wäre das Vorschiff komplett.
Kombüse
Wir haben die schrägen Seitenwände der Schränke begradigt und mit Griffen versehen. Die sind bitter nötig, wenn man (bei uns meistens frau) sich unterwegs bei Lage im Schiff bewegen muß. Ohne diese Griffe gab es regelmäßig blaue Flecken, einmal sogar eine angeknackste Rippe ... alles keine Garanten dafür, sein Bordleben nicht als Single beenden zu müssen!
In der Kombüse selbst fehlen bei uns Eisfach und Waschbecken, beide fielen dem eingangs erwähnten Kompromißzwang zum Opfer. Das Waschbecken haben wir nie vermißt: abgewaschen wird – wenn überhaupt – in der Pütz im Cockpit, meistens wird aber das niedrige Freibord der Shark ausgenutzt: Teller und Besteck bei mehr als 4 Kn gut festhalten, sonst sind sie weg!
Ein Eisfach wäre natürlich nett, es ist aber erstaunlich, wie kühl das Bier - unterhalb der Wasserlinie gelagert – bleibt; man gewöhnt sich dran!
Die eigentliche Pantry besteht bei uns aus kleinen Schubladen (Leichtbau, 5 mm Sperrholz!!) und aus einem Spirituskocher, der – in Ruhelage – unter die Schubladen geschoben und mit einem Gurtband seesicher festgezurrt wird. Zum Kochen wird er einfach vorgezogen. Auf eine kardanische Aufhängung haben wir verzichtet: auf See kochen wir nie und Kaffeewasser kriegt man (pardon frau) auch ohne Kardanik heiß!
Die Schubladen werden durch Nocken am Boden festgehalten damit sie sich bei Lage nicht selbstständig machen. Zum Öffnen einfach ein bißchen anheben: geht ganz einfach!
In die Schubladen paßt alles, was unser Kombüsenleben braucht: Besteck (links unten), Becher und Gläser (links oben), Teller (rechts) und Gewürze, Dosenöffner, Gasanzünder, Rührlöffel usw. (Mitte).
Unterhalb der Kombüse steht der Wasserkanister, zum Wasserzapfen wird er ein paar cm herausgezogen. Daneben sind herausnehmbare Kästen für all das tägliche Eßbare zum Frühstück: Kaffee, Käse, Wurscht usw. Das ist sehr praktisch, weil man so mit einem Griff den Frühstückstisch im Cockpit beschicken kann!
Nav Ecke
Jedes Seeschiff braucht auch eine ordentliche Nav. Ecke!
Der Schrank gegenüber der Kombüse hat eine Platte mit einer Klappe. Darunter ist das Fach für Seekarten und Nav-Besteck. An der Wand des Hauptschotts sind der Kurzwellenempfänger für das Seewetter und das GPS Gerät eingebaut.
Eine Autolampe mit Schwanenhals gibt Licht.
Die GPS Antenne ist im Mastfuß. Die Antenne gibt es als Autozubehör (Garmin).
Unter dem Kartenfach sind Schubladen für all den Kleinkram, der sich sonst irgendwo im Schiff rumtreiben würde. Die Schubladen (wieder Leichtbau aus 5 mm Sperrholz!) können innen durch Steckbrettchen unterteilt werden.
Sie werden (wie die Schubladen in der Kombüse) durch Nocken am Boden zugehalten.
Der absolute Knüller und der Stolz des Skippers ist der kombinierte Karten- und Frühstückstisch! Aus dem Kombüsenschrank wird eine Platte herausgezogen und an der Nav-Seite eingehängt. Das ergibt einen vorzüglichen Tisch für die Kartenarbeit, außerdem ist sie beim Kochen – halb ausgezogen – eine willkommene zusätzliche Abstellfläche!
Für den Nav gibt es ein Sitzbrett, das im Kombüsenschrank neben dem Wasserkanister gestaut wird.
Zum Frühstücks- und Kajüttisch wird das Ganze, wenn die herausziehbare Platte aufgeklappt und mit einem Strop an der Umrandung des Schiebeluks eingehängt wird.
Schlafen
Uns waren die beiden Hundekojen auf Dauer zu schmal – und zu weit auseinander waren sie auch!
Wir nutzen den Gang mittschiffs mit als Bett. Ein Brett unter dem Cockpit wird nachts herausgezogen. Es läuft auf zwei Leisten, die seitlich an die Sitzbänke angeschraubt sind. Tagsüber verschwindet das Brett unter dem Cockpitboden, allerdings nicht ganz: ein Rest bleibt stehen als Trittstufe. Auf das Brett paßt das Original Schaumstoffpolster aus dem Vorschiff! Die Leisten tragen übrigens auch das oben bereits erwähnte Sitzbrett für den Nav.
Zum Festhalten gibt es am Einstieg des Schiebeluks zwei schiffige Haltegriffe, auch sie sind bitter nötig bei Lage im Schiff!
Ankern
Auch das ist so ein Problem bei der Shark und einer Pärchen-Crew!
Wohin staut man Anker und Kette? Unsere Shark hat keinen Ankerkasten im Bug, aber auch wenn sie ihn hätte: mich würde das Gewicht von Anker und Kette im Bug stören!
Welche Bordfrau fährt schon gern das Ankermanöver an der Pinne, wenn der Skipper sich auf dem Vordeck mit Anker und Kette abplagt (und unverständliche Kommandos gibt)?
Welcher Außenborder schafft rückwärts einen ausreichenden Zug zum Ankereingraben? Unserer jedenfalls ist rückwärts eine absolute Null!
Wir haben deshalb die gesamte Ankerprozedur komplett auf den Kopf gestellt, wir Ankern vorwärts!
 Unser Anker mit Kette und Ankerleine ist in einer Holzkiste unter dem Cockpit gestaut. Als Vorbereitung zum Ankern wird die Kiste vorgezogen und ins Cockpit gestellt.
Das Ende der Ankerleine wird an einer Heckklampe belegt.
Nun kann`s losgehen:
Motor an, Segel bergen.
Schiff mit dem Heck zum Wind drehen und den Anker langsam bis zum Grund ablassen.
Wenn er unten ist, ganz langsam voraus (vorsichtig, es kommt schnell Zug auf Kette oder Leine, Handschuhe sind zu empfehlen!). Kette bzw. Leine mitlaufen lassen. Das Ganze geht sehr bequem, wenn der Skipper mit dem Rücken zum Bug steht und die Pinne zwischen die Beine nimmt.
Die Bordfrau bereitet inzwischen den Ankerschluck vor.
Wenn ausreichend Kette/Leine gesteckt ist (etwa nach 3-4facher Wassertiefe) Anker eingraben: Kette/Leine auf der Klampe belegen und Gas geben. Wenn der Anker für die Nacht eingegraben werden soll, mache ich hinterher immer noch die Halteprobe: ein Stück zurückfahren und dann mit 1 bis 2 Knoten in die belegte Ankerleine einfahren. Wenn der Anker das aushält, hält er! Vorher die Crew warnen: es gibt einen gehörigen Ruck, bei dem sich jeder (auch der Skipper!) unsanft dort hinsetzt, wo er gerade steht!! Deshalb vorher setzen und gut festhalten.
Anschließen die Ankerleine aufs Vorschiff umlegen und das Schiff schwojen lassen (es dreht sich langsam mit dem Bug in Wind). Dann die gewünschte Länge nachstecken.
Anker bergen geht genau umgekehrt, auch hier kann der Skipper allein das ganze Manöver machen (einschließlich Anker ausbrechen unter Motor, wenn`s erforderlich ist).
Fazit
Das Ergebnis unseres Ausbaus ist ein immer noch sehr kleines, aber für 2 Personen ausreichendes Fahrtenschiff, auf dem man auch auf mehrwöchigen Küstentörns gut leben kann, wenn man sich einen Rest von Zigeuner- bzw. Pfadfindergeist bewahrt hat.
Die Shark dankt es einem durch Segelspaß ohne Ende. Wenn man Raumschots unter Vollzeug mit 9 kn an den Yoghurtbechern der Charterer vorbeidüst, möchte man mit keinem anderen Schiff unterwegs sein ... auch wenn die Konkurrenz unter Deck im Stehen pinkeln kann!
Und die kleinen, einsamen Buchten, in die die dicken Bolzen wegen geringer Wassertiefe nicht rein können, gehören eh den kleinen Schiffen. Dort ist Stille, man kann Sonnenuntergang und sundowner genießen, ohne die Party auf dem Nachbarschiff miterleben zu müssen.
Die Freundlichkeit der Fischer in Dorfhäfen, die einem kleinen Schiff bereitwillig noch ein Plätzchen an ihrer Mole anbieten, wird man mit größeren Schiffen ebenfalls vergeblich suchen.
Wenn nun Euer Geschmack am Fahrtensegeln mit der Shark geweckt ist, hat sich unser Bericht gelohnt.
Fahrtensegler sind Individualisten, jeder hat seine eigenen Anforderungen und Vorstellungen. Vielleicht sind ein Paar unserer Ausbau-Ideen auch für Euch verwendbar, es würde uns freuen.
Fragen oder weitere Anregungen gerne unter: lueder@shark24.org !
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