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Die meisten Segler verbinden Holland mit Segeln auf dem Ijsselmeer und der Waddenzee, die Gebiete Westhollands werden leider oft zu wenig beachtet.
Im vergangenen Jahr bin ich mit der AKI westwärts rund Walcheren gesegelt, dieses Jahr standen die östlichen Gebiete an.
Start war wieder mein Stammliegeplatz in Colijnsplaat und die erste Etappe sollte über das Keeten, Mastgat und Zijpe ins Grevelingermeer führen. Im Törnbericht “Im Takt der Gezeiten” aus 2002 kann man noch mal nachlesen, welche Besonderheiten zu beachten sind.
Niedrigwasser und damit Schiebestrom war am 11.08.03. gegen 11:00 Uhr, für Urlauber also eine angemessen Zeit. Der Wetterbericht sagte um 4 Bf aus Nordost voraus, dies also nicht so ganz toll, denn in diese Richtung sollte mein Weg ja gehen. Weiterhin wurde vor möglichen Gewittern mit Starkwind im Laufe des Tages gewarnt.
Im Keeten erwischt es mich dann auch, schnell wird es dunkel, ein erster Blitz und Donner. Ins Groß kommt vorsichtshalber das 2. Reff und ich wechsele auf die kleinste Fock und ziehe mir mein Ölzeug über. Es grummelt weiter und dann öffnen sich die Himmelsschleusen mit Blitz, Donner, Regen und Hagel. Man sollte ja nicht glauben, wie schmerzhaft so was sein kann. Der Wind hat mächtig aufgefrischt, die Segelwahl war absolut richtig, dennoch legt sich die AKI manchmal ganz schön aufs Ohr. Wenn man dann sieht, wie viele Segler versuchen nur unter Motor gegen an zu gehen und mächtig in die Wellen schlagen, so ist das unverständlich, mit Segeln liegt ein Boot doch besser.
Nach einer guten halben Stunde ist der Spuk auch schon wieder vorbei, die Sonne kommt wieder heraus, der Wind geht zurück und bis auf die Restwelle ist das Wasser wieder ruhig.
Vor der Schleuse ist das übliche Gedrängel und ich komme erst nach einer Stunde Wartezeit durch. Die Zeit nutze ich für einen Kaffe und räume unter Deck ein wenig auf, so einige Sachen, die wohl doch nicht ganz sicher gestaut waren, sind durch die Gegend geflogen.
Für heute reicht es mir auch und ich segle die letzten Meilen nach Herkingen und finde einen Platz im Vereinshafen, den ich im Vergleich zum Yachthafen nur empfehlen kann, man liegt ruhiger und die Versorgung ist prima.
Der nächste Morgen startet mit traumhaftem Segelwetter, Wind 3-4 Bf, es ist warm und ich verlasse Herkingen und segle ohne genaues Ziel durch das Grevelingen und genieße einfach das herrliche Wetter und die schöne Segelei. Ein kurzer Blick in den Hafen von Port Zeelande, der dem französischen Port Grimaud nachempfunden wurde (so sind auch die Preise), so geht es einmal rund um das Grevelingen und am Nachmittag gehe ich in Den Osse in den Hafen. Absolut empfehlenswert, eine prima Versorgung, nette Hafenmeisterinnen.
Der nächste Abschnitt soll mich aus dem Grevelingen zurück in die Schelde und durch die Kramerschleusen ins Volkerak führen. Das Wetter ist wieder traumhaft, aber erneut Gewitterwarnung. Gegen 14:00 Uhr wird es kurz vor der Grevelingenschleuse wieder dunkel, über Funk kommt eine Securite–Meldung und man sieht die Boote in den Hafen von Bruinisse strömen, denn nach den Schleusen kommt erst einmal kein vernünftig anzulaufender Hafen.
Im Hafen liegt man schon in 6-er Päckchen, es ist rappelvoll. Ganz am Ende gibt es am Jollensteiger noch freie Plätze, ein Falke (eine typische holländische Kieljolle) hat auch nicht weniger Tiefgang wie die Shark und ich finde so einen angenehmen Platz, denn der Hafenmeister hat auch nichts dagegen. Später entdecken noch mehr kleinere Boote diese doch viel angenehmere Möglichkeit wie das Liegen im Päckchen.
Meterologe oder Meterolüge ?, nichts kommt, die Wolken verziehen sich wieder, es klart wieder auf.
Der folgende Tag bringt wieder Sonnenschein (was auch sonst in diesem Sommer), der Wind hat aber zugelegt, die richtige Segelgarderobe ist ein Reff im Groß und die Normalfock.
Durch die Grevelingenschleuse geht es schnell (oh Wunder) und die paar Meilen zu Kramerschleuse sind schnell vorbei.
Dieser Schleusenkomplex ist ein gewaltiges Bauwerk, eine Doppelschleuse für die Berufsschifffahrt (280 * 24 m) und eine Doppelschleuse für die Sportschifffahrt (75 *9 m) und hat eine weitere Besonderheit. Das Volkerak ist Süßwasser und damit kein Salzwasser in das Volkerak gelangt und dort mit der Zeit Brackwasser entsteht bzw. auch umgekehrt, wird beim Schleusen durch ein aufwändiges System jedes Mal das komplette Wasser passend ausgetauscht. Je nachdem wie die Gezeitenhöhe in der Schelde gerade ist, dauert die Schleusung entsprechend lang und es entstehen in der Schleuse starke Wirbel.
Es klappt recht gut, wenn man davon absieht, dass ich für kurze Zeit quer in der Schleuse stehe, aber sie ist ja breit genug.
Die 12 Meilen durch das Volkerak lege ich mit einer schönen Brise von hinten schnell zurück, auf die Berufsschifffahrt muss man allerdings ordentlich aufpassen.
Nach 2 Stunden wartet bereits die nächste Schleuse, noch gewaltiger, 3 Kammern für die Berufsschifffahrt (325 m lang), eine Spülschleuse, der man nicht zu nahe kommen sollte und eine Yachtschleuse von 140 * 24 m, durch die auch kleinere Frachter mitgeschleust werden.
Hier muss ich warten, aber nach einer dreiviertel Stunde ist die Einfahrt frei, man kommt sich in der Kammer wie ein Spielzeugschiff vor, die Wände ragen etwa Masthoch auf, das Ganze wird von einer 19 m hohen Brücke überragt.
Von der Schleuse aus, sind es noch etwa 2 sm bis nach Willemstad, einem wunderschönen mittelalterlichen Städtchen. Der Binnenhafen und der Passantensteiger sind brechend voll, man könnte trockenen Fußes von einer Seite auf die andere Seite des Hafens gelangen. Manchmal haben kleine Boote auch ihre Vorteile, der Hafenmeister hat noch eine kleine Box frei, in die die Shark prima reinpasst. Nachdem ich gut festgemacht habe (Vorleine, Achterleine und Spring, da mich der Wind gegen den Steg drückt, der schwarze Festmacher hat auch eine Steckdose gefunden), kommt der liebe Mensch und sagt mir, dass es ihm schrecklich leid täte, er habe sich vertan, die Box sei reserviert, er habe aber ganz im letzten Teil noch etwas frei, ich müsse leider den Platz freimachen. Also, das ganze von vorne.
Den Tag beschließe ich mit einem Spaziergang durch das Städtchen, genieße in einem Straßencafe ein leckeres Eis und lasse die Seele baumeln.
Von Willemstad soll es weitergehen in das Haringvliet, als Ziel habe ich mir Hellevoetssluis oder Stellendam vorgenommen, von dort kann man durch die Schleuse in die Nordsee und ins Wattenmeer. Über das Haringsvliet führt eine Brücke, die Durchfahrtshöhe ist mit 12,8 m angegeben, dennoch meint man “das passt nicht” wenn man sich nähert. Es passt aber!
Der Wind hat auf NW gedreht und ich segle am Wind, auf einmal fällt das Boot ohne Vorwarnung ab, ich versuche anzuluven, nichts zu machen. Die AKI geht mit dem Heck durch den Wind, dreht weiter und macht einen Vollkreis und liegt wieder auf dem alten Bug. Keine zwei Minuten später das gleiche Spiel, diesmal anders herum, was ich auch mache, das Boot macht mit mir was es will. Das Ruder ist noch da, also muss die Ursache tiefer liegen. Für die nächsten fünf Meilen brauche ich gute 2,5 Stunden, mehr als 2 kn sind einfach nicht drin. In Stad aan t`Haringvliet gibt es im Atlanticahafen einen Kran und ich bleibe erst einmal über Nacht dort. Tauchen ist nicht unbedingt meine Sache, außerdem wird in vielen Bereichen vor dem Schwimmen und Tauchen gewarnt, da durch die extremen Temperaturen eine kräftige Algenblüte eingesetzt hat.
Am Morgen nimmt mich der Hafenmeister auf den Kran und ich sehe die Ursache, um den Kiel hat sich ein Stück Netz gewickelt und zieht so etwa einen Meter noch hinter sich her. Ursache gefunden, Problem beseitigt und 70 Euro ärmer.
Der Atlanticahafen ist riesig und bietet 2 Toiletten und 2 Duschen, nicht gerade eine Empfehlung.
In Hellevoetssluis ist am nächsten Tag ein Flugtag der “Flying Legends”, alles Oldtimerflugzeuge, dementsprechend sieht man die Yachten in Scharen Richtung Hellevoetssluis ziehen, vor dem Hafen liegen die Schiffe vor Anker, denn die Vorführungen der alten Maschinen erfolgen über dem Wasser, so dass man vom Wasser aus einen Tribünenplatz erster Klasse hat. Ich gönne mir auch einige Zeit, um den Vorführungen zuzuschauen. Der Wind legt gegen Nachmittag immer stärker zu, für die letzten Meilen bis Stellendam sind Reff und kleine Fock schon wieder angesagt.
In Stellendam ist genug Platz, ich bekomme einen Platz zugewiesen, der eher für ein 12 Meter Schiff geeignet wäre und auch noch genau quer zum Wind liegt, der Anleger klappt dennoch ordentlich und ich “genieße” noch so manches Manöver von einlaufenden Booten auf den Nachbarsplätzen.
Die Wetterfrösche sagen für den nächsten Tag Starkwind und Sturmböen voraus, auch die Windprognose für die weiteren Tage ist nicht gerade berauschend, so lege ich einen Hafentag ein, gehe spazieren und schaue mir von der Schleuse die Nordsee an. Die Entscheidung fällt mir nicht schwer, ich bleibe auf der Binnenseite, da draußen kachelt es doch ganz ordentlich.
Das Haringsvliet ist zur Nordsee durch ein Abschlusssperrwerk gesichert, bei Niedrigwasser werden aber Spültore geöffnet und es entsehen Scheingezeiten und ein Strom von bis zu 10 km.
Nach meinem “Ruhetag” gehe ich recht früh am Morgen zurück in Richtung Hollandsch Diep, das zu den Häfen von Rotterdam führt. Das Wetter ist eigenartig, das Wasser ist absolut glatt, das Sperrwerk verschwindet hinter mir im Dunst, die Segel flappen vor sich hin. Bald kommt aber die Sonne milchig durch und der Wind setzt ein, zuerst schwach, dann zunehmend und es ist wieder Zeit für Reff und kleine Fock und mit Rauschefahrt geht es voran. Leider beginnt es auch noch zu regnen und irgendwann läuft einem das Wasser doch irgendwo rein. Bis Nordschanz, einem Hafen direkt an den großen Raffinerien des Rotterdamer Hafens sind es 25 Meilen und ich komme doch etwas durchweicht dort an und freue mich auf eine warme Dusche. Das Hafenhandbuch beschreibt den Hafen als “romantisch im Grünen”, das stimmt; mit einem Blick auf gigantische Industrieanlagen, stimmt auch und mit einer hervorragenden Versorgung, unter sauberen, gepflegten Toiletten und Duschen verstehe ich allerdings etwas anderes.
Am Nachmittag kommt die Sonne wieder, es wird wieder schön. Neben mir laufen ein Motorboot mit Familie und ein Segler mit gelegtem Mast ein. Erste Aktion nach einem heißen Anleger ist das Bier auf dem Steg und dann beschwert sich der “Skipper”, dass der Hafen ganz anders aussähe wie auf der Karte und die Große Schleuse (gemeint war die Volkerak) nicht auf seiner Karte seien. Er zeigt mir die Karte, unten steht Editie 1985 !, solche Wassersportler sollte man aus dem Verkehr ziehen.
Der Wind bleibt, ich warte erst einmal ab, gegen Mittag gehe ich dann wieder gerefft und mit Fock raus, durch die Schleuse zurück ins Volkerak. Der Wind nimmt ab und etliche Boote ziehen an mir vorbei, also entschließe ich mich auszureffen und auf die Genua zu wechseln, man muss die Shark Ehre ja hoch halten. Diese Entscheidung bereue ich aber schnell, nach kurzer Zeit ist die AKI kaum noch zu halten, es war wohl nur eine Windpause. Also das Ganze umgekehrt.
Vom Volkerak aus führt eine lange (2sm) Einfahrt in einen wunderschönen ruhigen Hafen, Oude Tonge, man muss aber die Ansteuerungstonnen exakt erwischen, links und rechts können die Möwen nämlich spazieren gehen. Ich habe doch etwas Mühe diese Tonnen zu finden, denn die Sicht ist nicht gerade optimal und ich hatte sie auch nicht ins GPS einprogrammiert. Belohnt wurde ich dafür mit einem absolut schönen Hafen und einer netten kleinen Stadt, beides kann ich nur empfehlen.
Das letzte Mal, das mir beim Segeln schlecht wurde, war auf einem Törn zu den Kanalinseln, diesmal erwischt es mich, aber nicht auf dem Schiff, sondern unter der Dusche, ich spüre wie der Hals so merkwürdig eng wird und muss schnell ins Freie, ehe ich mich übergeben muss.
Von Oude Tonge geht es zurück durch die Kramerschleuse, am Wartesteiger legt hinter mir ein Dampfer an, pechschwarzer genieteter Rumpf, Schornstein mit Glocke, auf dem Vorschiff ein Korbsessel und Blumenkästen, am Heck hängt der Union Jack; Engländer ! Wir kommen ins Gespräch, das Schiff ist Baujahr 1917, der Schornstein allerdings nur noch Attrappe, die Dampfmaschine ist mittlerweile durch einen Diesel ersetzt, ansonsten ist das Schiff noch im Originalzustand. Toll !!!
Durch Keeten, Mastgat und Zijpe (hier springt die Logge für dieses Jahr über die 500 sm) geht es zurück in die Osterschelde und weil es einfach Spaß macht, drehe ich noch ab und gehe südwärts Richtung Tholen. Vorbei geht es mit Backstagsbrise an der Galgeplaat und dem Verdronken Land, das seinen Namen daher hat, da es bis zu großen Sturmflut zum Festland gehörte und bewirtschaftet wurde, jetzt hat es das Meer wieder.
Durch die Bergsediepschleuse kommt man ins Zoommeer, hier führt auch der vielbefahrene Rhein-Schelde Kanal durch, also Achtung ! Tholen selber ist eine verschlafenes, hübsches Stadtchen und ich liege nach 41 sm an den Schwimmstegen der Watersportvereinigung ganz gut.
Hochwasser an der Schleuse ist um 05:15 Uhr und zurück darf ich deshalb am nächsten Tag unter gerefftem Groß die gesamte Schelde hochkreuzen und da die Fahrwasser ziemlich eng sind, bedarf es einer Menge Wenden, ich schaffe es natürlich nicht die gesamte Strecke den Strom mitlaufend zu haben und komme so gegen 16:30 wieder an meinen Liegeplatz in Colijnsplaat an.
Zwei wunderschöne Wochen sind vorbei, auf der Logge sind 223 Meilen mehr. |