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Starkwindtage auf Bornholm und Rügen
 

 
Familientörn vom 12.8.2003 bis zum 27.8.2003
 
Durchgeführt von Angelika, Henrik und Karl Müller
 


 In einem Segelführer habe Route
 ich einmal gelesen, dass
 Bornholm das Traumziel
 vieler Ostseesegler ist.
 Daher führte mich mein
 erster Ostseetörn dorthin,
 damals noch mit einem
 Charterschiff.
 Seit jener Zeit bin auch ich
 von dieser Insel fasziniert.
 Noch einmal mit dem
 eigenen Boot nach
 Bornholm, das reizte
 mich schon im letzten Jahr.
 Leider wurde nichts daraus,
 denn da wir bei einer
 Ostwindlage in der
 westlichen Ostsee gestartet
 waren, hätten wir die
 Unbequemlichkeiten einer
 mehrtägigen Anreise hoch                                                                     Unsere Route
 am Wind in Kauf nehmen müssen.
 Um diesem Problem weitgehend aus dem Wege zu gehen,  starteten wir in diesem Jahr in Neuhof nahe bei Stralsund.
 Wir fahren am Dienstag los, dem vorletzten Tag der großen Hitzeperiode dieses Sommers und erreichen nach langer aber
 problemloser Anreise am frühen Nachmittag die Marina,  können sofort kranen und machen dann in aller Ruhe das Boot klar.
 Jetzt beginnt der Urlaub. Zum Abendessen gehen wir  ins Hafenrestaurant, von dessen Terrasse man einen herrlichen Blick
 auf den Strelasund hat. Uns wundert nur, dass wir die einzigen Gäste sind. Das Rätsel wird gelöst, als wir unsere Getränke
 erhalten. Im Nu sind wir von einer Heerschar hungriger Wespen umgeben, die alle ihren Anteil wollen. Auch unser Essen
 scheint ihnen, im Gegensatz zu uns, vorzüglich zu munden. In Rekordzeit schlingen wir es hinunter, müssen dabei aber immer
 wieder allzu dreiste Angreifer vertreiben. Zurück an Bord können wir schadenfroh beobachten, dass der Hunger der Wespen
 längst noch nicht gestillt ist. Die hektischen Bewegungen von neu eintreffenden Gäste sprechen eine deutliche Sprache.

 
Neuhof - Lauterbach (12 sm)
 Am Mittwoch geht es endlich los. Der Wind weht aus Südost mit Stärke 4 , im Sund für uns genau gegenan und daher motoren
 wir, aber bald ist der Greifswalder Bodden erreicht, wir können segeln und erreichen auf Halbwindkurs mit mehr als 6 Knoten
 Geschwindigkeit eigentlich viel zu schnell unser Tagesziel Lauterbach. Im Hafen haben wir interessante Nachbarn. Statt Booten
 liegen an der nächsten Stegreihe auf Pontons schwimmende Ferienhäuser. Wir wollen schnell weiter ins 35 Meilen entfernte
 Saßnitz, unserem Sprungbrett nach Bornholm. Aber am Donnerstag weht es aus Nordwest mit Stärke 7, das hieße für uns eine
 Teilstrecke von 12 Meilen hoch am Wind oder sogar Kreuzkurs. Eine nasse und ungemütliche Angelegenheit, also legen wir erst
 einmal einen Hafentag ein. Den Ort erkunden, lesen und spazieren gehen bringt Erholung vom stressreichen Alltag. Am Freitag
 legt der Wind noch einmal zu. Mit satten Acht bläst es jetzt. Also noch ein Hafentag, diesmal aber aktiver. Mit dem "Rasenden
 Roland", einer Dampflok gezogenen Schmalspurbahn, fahren wir zum Jagdschloss Granitz. Dessen Attraktion ist der von
 Baumeister Schinkel entworfene Turm. Schon der Aufstieg ist ein Erlebnis. Innen völlig hohl, windet sich nur eine schmiedeeiserne
 Treppe im Turm nach oben. Dort hat man einen herrlichen Ausblick über die gesamte Insel. Die Fahrt mit dem "Rasenden Roland"
 ist wohl eher für Eisenbahnfans ein Vergnügen, wir empfinden sie als unbequem und teuer.

 Lauterbach - Saßnitz (35 sm)
 Am Samstag flaut der Wind auf Sechs ab. Kein Problem für unsere Shark und weil wir keine Lust auf einen weiteren Hafentag
 haben, machen wir uns auf den Weg nach Saßnitz. Unter einmal gerefftem Groß und Fock geht es auf raumem und später
 Halbwindkurs zügig voran. Beim Verlassen des Greifswalder Boddens sehen wir ein Lotsenboot, dass mit vollem Speed zu einem
 Frachter fährt. Leider wohl etwas spät, denn der kommt trotz drehender Schraube nicht mehr von der Stelle. Kurz nach diesem
 Schauspiel müssen wir hoch an den Wind und Allegro bockt und nimmt manchen Liter Wasser über, ist aber immer noch so
 schnell, dass der Skipper eines 36-Fuß-Bootes entgeistert kuckt, als wir ihn locker überholen. In Saßnitz sind die stadtnahen
 Liegeplätze alle belegt und wir müssen an die Pfahlreihe der Außenmole.Das heißt vor allem 15 Minuten Fußmarsch bis zu den
 Toiletten. Außerdem haben die Pfähle für unser Boot einen reichlich großen Abstand untereinander und zur Pier. Das
 Anlegemanöver läuft zunächst glatt. Wir belegen im Vorbeifahren am Luvpfahl und bringen die Vorleine an Land. Beim
 anschließenden Fieren der Vorleine stellt sich heraus, dass wir nicht nahe genug an den Leepfahl kommen, um die zweite
 Achterleine zu belegen. Ich versuche es mit Werfen. Der zweite Versuch bringt den Palstek auf aber nicht über den Pfahl.
 Mit dem Bootshaken versuche ich, dieses Manko zu beheben. Dabei passiert es. Ich verliere das Gleichgewicht und halte
 mich an der Badeleiter fest. Die klappt ab und so verschwinde ich kopfüber im Wasser. Trotz voller Montur komme ich zu
 meinem Erstaunen über die Badeleiter so schnell wieder an Bord, dass sich nicht einmal meine Automatikweste aufbläst. Das
 holt sie allerdings zwei Tage später unter der Koje nach.

 Saßnitz - Rönne (50 sm)                             Ruegen
 
Für Sonntag ist Nordwestwind der Stärke 4 angesagt,
 später abnehmend auf 3, fast ideale Bedingungen für
 die 50 Meilen lange Überfahrt nach Rönne auf
 Bornholm. Und so machen wir uns am frühen
 Sonntagmorgen auf den Weg. Zunächst mit herrlichem
 Blick auf die Kreidefelsen von Rügen. Unter Vollzeug
 laufen wir mit 6 Knoten unserem Ziel entgegen.
 Nachdem wir etwa den halben Weg zurückgelegt
 haben, tauchen am Horizont immer wieder weiße
 Punkte auf, die sich später als Segler auf Gegenkurs
 erweisen. Einer dieser Punkte wird nur sehr langsam
 größer, hier ist jemand in gleicher Richtung unterwegs.
 Beim Überholen erkennen wir einen Stegnachbarn aus
 Saßnitz, der mit seiner 30 Fuß-Yacht fast eine Stunde
 vor uns den Hafen verlassen hat. Zum Glück lässt der
 Wind erst am frühen Nachmittag nach, so dass wir
 9 Stunden nach dem Ablegen in Rönne festmachen
 können.                                                                                                              Rügens Kreideküste von See


 Rönne - Hasle (6 sm)                                  Teglkas
 
Bornholm besticht durch seine landschaftlichen Reize
 und die findet man nicht in Rönne. Daher segeln wir
 am Montag nach Norden ins 6 Meilen entfernte Hasle.
 Nördlich von Hasle beginnt Bornholms Steilküste an
 der ein alter, jetzt ausgebauter Rettungsweg entlang
 läuft. Auf dem wandern wir zum berühmten Jons Kapel
 Felsen. In einer hoch aufragenden Klippe hat die Natur
 eine art Kanzel geformt. Der Missionar Jon soll von
 dort aus zur Zeit der Christianisierung Bornholms zu
 den Heiden am Strand gepredigt haben. Am Weg liegt
 auch der kleine und malerische Hafen Tegelkas.
 Fischerboote und Räucheröfen zeigen, dass man dort
 auch heute noch Heringe fängt und räuchert, früher
 der Haupterwerbszweig auf Bornholm.


                                                                                                          Der Fischerhafen Tegelkas mit Räucheröfen

              Jonskapel1                                 Jonskapel2

                                  Jons Kapel                                                                                      In der Kanzel

 Hasle - Frederiksö (22 sm)
 
Am Dienstag weht ein leichter Westwind. Wir umrunden die Nordspitze von Bornholm und segeln weiter zu den 12 Meilen
 nordöstlich davon liegenden Erbseninseln. Auf den Granitinseln Christiansö und Frederiksö wurde 1684 eine Festung errichtet,
 die man 1863 wieder aufgelöste. Seit dem sind aber kaum Veränderungen vorgenommen worden, da die gesamte Anlage unter
 Denkmalschutz steht. Etwa 100 Menschen leben auf der Insel, hauptsächlich von den Touristen, die am späten Vormittag mit
 Ausflugsbooten von Bornholm herüberkommen und am Nachmittag wieder abfahren. Als wir in den Sund zwischen den beiden
 Inseln einlaufen, der den Hafen der Festung bildet, ist der schon ziemlich voll, weil ein dänischer Segelschulschiff dort festgemacht
 hat. Wir können uns gerade noch in eine Lücke zwischen zwei Boote quetschen, die vor Frederiksö an Heckbojen liegen. Nach
 dem Festmachen wird uns eine besondere Attraktion geboten: Die Segelschüler machen eine Rettungsübung, wobei sie aus dem
 Mast aufs Land abgeseilt werden, nicht ohne dabei Bekanntschaft mit dem Hafenwasser zu machen. Danach beginnen wir unseren
 Rundgang durch dieses Freilichtmuseum. Kanonen, Wehrmauern, Türme, Unterkünfte für Mannschaften und Offiziere, man fühlt
 sich wie in einer anderen Welt. Wasser ist auf den Inseln knapp. Auch heute noch wird Regenwasser in Zisternen gesammelt, die
 man überall auf den Inseln findet. Trotz aller Schönheit können wir uns für einen längeren Aufenthalt auf diesen winzigen Inseln
 nicht erwärmen und wollen am nächsten Tag weiter nach Allinge, um uns die Burg Hammerhus anzusehen. Das müsste eigentlich
 möglich sein, da der abendliche Wetterbericht Westwind der Stärke 5 vorhersagt, der später auf 6 zunehmen soll.

 Christiansoe1 Christiansoe2

                      Im Hafen von Christiansö                                                               Rettungsübung

 Kanone Zisterne 

                          Auf der Festungsmauer                                                            Wasserversorgung

 Frederiksö - Svaneke (12 sm) Svaneke 
 
Der Hafen von SvanekeIn der Nacht zum Mittwoch
 werde ich von einem Pfeifen in den Ricks wach, dass
 eine deutliche Sprache spricht: Statt der angekündigten
 5 weht es sicherlich mit 8 Windstärken. Am Morgen ist
 die Lage unverändert, hinter den hohen Mauern des
 Festungshafens ist es ruhig aber draußen türmen sich
 brechende Wellenberge. Beleiben oder fahren, das ist
 die Frage. Größere Yachten verlassen den Hafen und als
 der Wind am späten Vormittag etwas nachlässt und der
 11-Uhr-Wetterbericht für den nächsten Tag noch mehr
 Wind verspricht, ist unsere Entscheidung gefallen: Wir
 werden segeln. Nur unser Ziel passen wir den
 Bedingungen an. Lediglich der Hafen von Svaneke an der
 Nordostküste von Bornholm ist ohne Kreuzen erreichbar.
 Die Ausfahrt ist nicht ganz unproblematisch. Wegen einer
 vorgelagerten Untiefe muss man zunächst dicht unter der
 Küste von Christiansö entlang laufen, wo die Wellen mit                                         Der Hafen von Svaneke
 voller Wucht auf die Felsenküste treffen, so dass sich meterhohe
 Fontänen bilden. Ein Motoraussetzer dort würde vermutlich Schiff und Leben in Gefahr bringen. Also drehen wir im Hafen
 zunächst ein paar Runden, verstauen dabei Fender und Leinen, setzen die Fock und wagen dann die Ausfahrt. Kaum haben wir
 die schützenden Hafenmauern passiert, packt uns der Wind mit voller Wucht und wir schießen mit über sieben Knoten an dem
 gefährlichen Hindernis vorbei. Dann gehen wir hoch an den Wind und machen bei moderater Lage nur unter Fock immer noch
 über sechs Knoten Fahrt. Obwohl eine einsteigende Welle unser Cockpit knöcheltief unter Wasser setzt, haben wir kein Gefühl
 der Unsicherheit. Auf halber Strecke noch ein Adrenalinschub: Das Echolot zeigt statt 70 nur 2,7 Meter Wassertiefe an. Ein
 ungläubiger Blick auf die Seekarte bestätigt, dass es keine solche Untiefe in weitem Umkreis gibt. Kurzes Überlegen liefert die
 Erklärung. Der Seegang hat so viel Sauerstoff ins Oberflächenwasser befördert, dass das Signal des Echolots an der Grenze zum
 sauerstoffärmeren Tiefenwasser reflektiert wird. Nach zwei Stunden, die wie im Fluge vergehen, erreichen wir Svaneke. Im
 Sommer macht man dort den Innenhafen für die Segler frei. Dennoch ergattern wir auch hier den letzten freien Liegeplatz, ohne
 ins Päckchen gehen zu müssen. Svaneke ist eine nette Stadt und der Hafen liegt mitten im Zentrum. Das hat auch seine Nachteile,
 denn die vielen Touristen, die den Ort besuchen, können von der Pier direkt bis in die Kajüte kucken.

 Svaneke - Svaneke (6 sm)
 Wir wollen unbedingt zur Burg Hammerhus und als für Donnerstagnachmittag Westwind um 4 vorhergesagt wird und die Sonne
 scheint, starten wir ohne Ölzeug und voller Besegelung in Richtung Nordwesten nach Gudhjem, das sechs Meilen entfernt ist.
 Kaum ausgelaufen, treffen uns mächtige Böen und ich muss sofort die Genua gegen die Fock wechseln. Das hilft zunächst, aber
 je weiter wir nach Norden kommen, desto mehr nimmt der ablandige Wind zu. Auch der Seegang wird beständig gröber, weil
 wir Gudhjem nicht direkt anliegen können und immer weiter auf See hinausfahren. Daher wende ich, um weiter unter Land in
 ruhigeres Wasser zu kommen. Wenig später trifft uns eine Serie von so harten Böen, dass ich das Großsegel vollständig fieren
 muss, um nicht aufs Wasser gedrückt zu werden. Reffen und weiter gegen an oder abfallen und zurück, das ist die Frage, die wir
 in der folgenden Böenpause blitzschnell entscheiden. Wir entscheiden uns fürs Zurücksegeln und sofortbeschleunigen uns die
 nächsten Böen auf mehr als 11 Knoten. So sind wir im Handumdrehen wieder in Svaneke, auch wenn der Wind nach Süden hin
 wieder merklich nachlässt. Das Ganze kommt mir bekannt vor und im Revierführer werde ich fündig. Dort ist zu lesen: "Küstennah
 findet man die Besonderheit, dass der Wind im Sommer auf der Leeseite der Insel frischer als auf der Luvseite weht; zeitweise
 kann der Unterschied erheblich sein." Und da die Insel im Süden ziemlich flach ist, dürfte das auch den Nord - Süd - Unterschied
 erklären.
 

 Svaneke - Allinge (16 sm) 
 Am Freitag sind die Wetterverhältnisse unverändert. Diesmal besser vorbereitet, wollen wir versuchen, bis nach Allinge zu
 kommen. Das sind zwar nur 16 Meilen aber unter diesen Voraussetzungen sicherlich kein Spaziergang. Und dann wiederholt sich
 das Spiel vom Vortag. Für ein paar Meilen sind Fock und volles Groß die angemessenen Besegelung, danach muss ich Reff eins
 und später Reff zwei einbinden. Zwei Meilen vor Allinge ist auch das eigentlich noch zuviel aber mit relativ weit geöffnetem Groß
 schaffen wir auch diese Strecke und können dann dicht unter Land bei moderateren Seegangsbedingungen unsere Segel bergen.
 Am Samstag ist Wandern angesagtHammerhus1.
 Durch das Naturschutzgebiet Hammerodde wollen wir
 zur Burg Hammerhus. Es ist zwar bedeckt aber warm
 und da es die ganze Zeit nicht geregnet hat, ziehen wir
 ohne Regenjacken los. Nach zwei Kilometern setzt
 leichter Sprühregen ein und wir kehren um. Wieder am
 Boot angekommen scheint die Sonne. Trotzdem hohlen
 wir unser Regenzeug und starten erneut. Entlang der
 Felsenküste wandern wir durch die Heidelandschaft nach
 Hammerhafen. Unterwegs betrachten wir ehrfürchtig die
 Brecher, die der frische Wind gegen die Nordwestspitze
 Bornholms wirft. Eine Umrundung dieser Spitze wäre für
 uns heute sicher nicht möglich gewesen. In Hammerhafen
 bietet sich ein ähnliches Bild. Hoch spritzt die Gischt über
 die mannshohe Hafenmauer. Jetzt weiter nach
 Hammerhus. Beim kurzen Anstieg an einem bewaldeten
 Hügel öffnet der Himmel plötzlich seine Pforten. Ein
 Gewitterregen prasselt auf uns nieder und im Nu sind                                           Hammerhus im Sturm
 wir vom Knie abwärts völlig durchnässt. Obwohl so nah
 am Ziel, treten wir schleunigst den Rückzug an. Heißer Kaffee und Kuchen aus dem täglich bis 20 Uhr geöffnetem Supermarkt
 stellen an Bord unser seelisches Gleichgewicht schnell wieder her. Am Abend noch eine gute Nachricht: Laut Wetterbericht soll
 morgen die Fahrt nach Rönne und übermorgen die Überfahrt nach Rügen möglich sein.
 

 Allinge - Rönne (18 smHammerhus2
 
Am Sonntagmorgen weht es noch heftig aus West aber
 der Wind nimmt vorhersagegemäß ab und so fahren wir
 gegen Mittag los. Zuerst die zwei Meilen bis
 Hammerodde im ruhigen Wasser dicht unter Land.
 An der Spitze selbst ist der Seegang noch heftig und
 chaotisch aber als wir die gerundet haben, ist erst einmal
 Kaffeesegeln angesagt. Bei Sonnenschein und leichtem
 Wind haben wir einen wunderbaren Blick auf die Burg
 Hammerhus. Kurz schläft der Wind ein, kommt aber
 bald zurück, jetzt aber aus Südwest. Wir machen hoch
 am Wind gute Fahrt und können von See her bald schon
 unsere Wanderstrecke bewundern.
 Der Himmel ist jetzt bedeckt. Vier Meilen vor Rönne
 entdecke ich hinter uns eine pilzförmige Wolke, die bis
zur Wasseroberfläche hinunterreicht. Wir behalten sie
 scharf im Auge. Sie holt schnell auf, scheint aber seewärts
 vorbeizuziehen. Bald schon sehen wir in ihr Blitze zucken und                                Hammerhus von See
 hören das Donnergrollen. Also bergen wir die Segel undRoenne 
 starten den Motor.Zu allem Überfluss liegt vor Rönne ein
 zwei Meilen ins Meer reichendes Flachwassergebiet mit
 Wassertiefen bis 30 Zentimeter, dem müssen wir in
 Richtung Gewitter ausweichen. Gewitterböen fallen über
 uns her und erzeugen schnell einen so hohen Seegang,
 dass unser Außenborder mehrfach aufheult, weil eine
 Welle die Schraube aus dem Wasser hebelt. Es gießt in
 Strömen. Aber dann haben wir die Untiefentonne
 erreicht, die das Flachwassergebiet markiert. In einem
 Wellental drehe ich blitzschnell das Boot und schon
 surfen wir auf den Hafen von Rönne zu. Als wir im
 Sportboothafen festmachen, ist der Spuk schon wieder
 vorbei. Nachdem wir unser Boot versorgt haben,
 bezahle ich beim Hafenmeister unsere Liegegebühren.
 Auf dem Rückweg sehe ich von Norden eine mächtige
 schwarze Wand heranziehen. Kurze Zeit noch kann ich
 auf dem Steg ein gewaltiges Wolkenschauspiel
 bewundern, dann entlädt sich ein heftiges Gewitter mit                                 Nach dem Gewitter im Hafen von Roenne
 sintflutartigen Regenfällen und Hagelschlag. Gut nur,
 dass wir das im sicheren Hafen erleben und nicht mehr auf See.
 

 Rönne - Saßnitz (50 sm) Sassnitz
 
Am Montag starten wir bei schwachen Nordwestwind unsere
 Rückfahrt nach Saßnitz. Es ist reger Verkehr denn auch viele andere Yachten
 nutzen das Wetterfenster, um wieder nach Deutschland zu kommen. Nach zehn
 Meilen schläft der Wind fast ein und es ist allgemeines Motoren angesagt.
 Weitere zwanzig Meilen später meldet sich der Wind zurück und zehn Meilen
 vor Saßnitz müssen wir sogar auf die Fock wechseln, so dass wir nach zehn
 Stunden Fahrt wieder in Saßnitz festmachen können.
 Der abendliche Wetterbericht bringt uns dazu, den Törn hier vorzeitig
 abzubrechen. Durch Skagerrak und Kattegatt zieht ein Sturmtief heran, dass uns
 Dienstagabend erreichen soll. Auch für die darauffolgenden Tage sind Starkwind,
 Regen und Kälte angesagt. Das müssen wir uns kurz vor Törnende nicht
 unbedingt mehr antun. Daher besichtigen wir am Dienstagmorgen gemeinsam
 noch das im Saßnitzer Hafen liegende U-Boot. Danach fahre ich mit Zug und
 Taxi nach Neuhof und hole Trailer und Auto. Nachmittags bin ich zurück und
 wir legen den Mast. Am nächsten Morgen wollen wir kranen und dann zurück
 fahren. Als wir vom Abendessen aus der Stadt zurückkommen, ist das Tief noch
 nicht da und wir legen uns schlafen. Kaum eine Stunde später werden wir unsanft
 geweckt. Das Tief ist angekommen und das Barometer auf rasante Talfahrt
 gegangen. Selbst im Hafen rollt Allegro mächtig und ruckt immer wieder hart in
 die Festmacher. Gischt spritzt bis in die Kajüte, so dass ich die Steckschotten
 einsetzen muss. Die ganze Nacht über tobt der Sturm, an Schlaf ist nicht zu
 denken, so heftig sind die Schiffsbewegungen. Zum Glück nimmt der Sturm am
 Morgen soweit ab, dass das Schiff problemlos gekrant werden kann und wir die
 Heimreise antreten können.                                                                                                        Auf dem U - Boot
 
Rückblickend betrachtet war es sicherlich kein ganz einfacher Törn aber gerade
 das macht ja die Faszination des Fahrtensegelns aus. Und wenn wir an unsere Fahrt zurückdenken, sind wir auch ein bisschen
 stolz auf uns und unser Schiff. Deshalb verliert auch das nahe Saisonende führ mich seine Schrecken, denn wann sonst kann man
 den nächsten Sommertörn in aller Ruhe planen?

 

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