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Vor zwei Jahren waren wir gezwungen, unser angestammtes Revier am Neusiedlersee nach ca. 22 Jahren zu verlassen. Unsere Shark 24 mit dem klingenden Namen Tequila Sunrise" ist mit einem Festkiel versehen und mit einem Meter Tiefgang am Neusiedlersee nicht mehr segelbar.
So waren wir gezwungen, nach anderen Revieren Ausschau zu halten. Irgendwann im Winter kamen wir auf die Idee warum wollen wir es nicht auf der Ostsee versuchen. Wir wandten uns an die Deutsche Sharkvereinigung mit der Frage, ob und mit welcher Ausrüstung es möglich ist mit unserer Tequila auf der Ostsee zu segeln. Herr Koppers und Herr Möller beide erfahrene Ostseesegler waren uns bei der Planung wirklich behilflich.
Und so nahm unser erster Ostseetörn schon zuhause in Wien seinen Anfang:
Die bezughabende Literatur Seekarten, Hafendhandbücher, der Ostseeführer wurden angeschafft und stellte das Studium derselben die Hauptfreizeitbeschäftigung dar. Nicht zu vergessen der GPS wurde mit dem diesbezüglichen Chip ausgestattet und Günter war wochenlang damit beschäftigt, alle in Frage kommenden Wegpunkte zu speichern.
Nach diesen Wochen der Planung hatte Günter schon die Seekarte im Kopf gespeichert, kannte sämtliche Untiefen, Fahrverbote, Schießübungsgebiete und Ansteuerungstonnen auswendig. Die Gastlandflaggen für Deutschland und man konnte ja nicht wissen vorsichtshalber für Dänemark wurden beschafft. Ankerball und schwarzer Kegel waren verstaut. Den Ankerball haben wir nicht benötigt aber mit dem schwarzen Kegel der war so eine Sache für sich.
So machten wir uns mit unserer Tequila auf den Weg in ein neues Abenteuer. Am 1. August 2003 kamen wir in der Ancora Marina in Neustadt an. Diesen Ausgangpunkt hat uns Herr Koppers geraten, da es dort möglich war um je 30 EUR für Bootstrailer und Auto einen Halleneinstellplatz zu bekommen.
Dort wurde das Schiff schneller als uns recht war mit einem riesigen Travellift zu Wasser gelassen. Als unsere Tequila so in den Gurten hing, konnte ich mir den Gedanken an ein Matchboxschiff nicht verkneifen.
Schon am Ankunftstag machten wir die angenehme Erfahrung der Hilfsbereitschaft, die uns während der gesamten kommenden vier Wochen begleitete. Ohne viel bitten zu müssen wurde uns beim Maststellen geholfen.
Auch haben wir dort erfahren, dass am Kanal 24 zu bestimmten Zeiten ein verlässlicher Seewetterbericht ausgestrahlt wird. Dieser Kanal 24 begleitete uns während der kommenden vier Wochen, da es auch interessant war, die nachfolgenden Konferenzgespräche mitzuhören bzw. sich selbst daran zu beteiligen. Wider Erwarten funktionierte die mühsam montierte Mastantenne nicht, doch als verantwortungsvoller Skipper hatte Günter eine Reserveantenne mit, die ihren Platz am Heckkorb fand. Ab diesem Zeitpunkt konnte jeder Skipper auf der Ostsee Bekanntschaft mit der Tequila Sunrise" machen.
Nachdem wir uns zwei Tage in Neustadt die Ostseeluft um die Nase wehen ließen, die ersten frischen Fischbrötchen genossen, ich erstmals in meinem Leben in der Ostsee schwimmen war, machten wir die Leinen los, um nach Travemünde zu segeln.
Bei wenig Wind was für mich in Österreich noch unvorstellbar war fuhren wir teils unter Motor und legten nachmittags in der Baltic Werft an. Hier stellte sich erstmals heraus, dass ich Recht hatte, als ich darauf bestand, unsere Tretroller mitzunehmen. Bei dem Platzangebot in der Shark hatte ich Mühe mich diesbezüglich durchzusetzen. Es ist ein ziemlich langer Weg von der BaltieWerft in das Zentrum von Travemünde, und die öffentlichen Verkehrsmittel lassen wie fast überall zu wünschen übrig.
Von Travemünde fuhren wir mit einem Fahrgastschiff durch das Naturschutzgebiet die Trave hoch bis nach Lübeck, um die alte Hansestadt zu besichtigen. Wir verbrachten in Lübeck einen Tag und genossen dort auch die Fischspezialitäten.
Da wir wussten, dass wir zum Großseglertreffen nochmals nach Travemünde zurückkehren würden, beschlossen wir nur mehr die Passat (deren dort aufgeschlagenes Logbuch eine Ähnlichkeit mit dem der Tequila aufwies, jeden Tag wurden Werftarbeiten eingetragen ) zu besichtigen und danach mit dem Fahrziel Wismar abzulegen.
Als wichtigster Gegenstand erwies sich nun der noch in Wien angeschaffte schwarze Kegel. Da dieser gesetzlich vorgeschrieben ist, wenn ein Segelboot unter Segel und Motor fährt, wurde dies ein arbeitsreicher Segeltag.
Segel rauf, Versuch mit Spinnaker Fahrt zu gewinnen.Funktioniert nicht- zu wenig Wind - Spinnaker bergen, Außenbordmotor anlassen- Kegel setzen.
Aufkommen eines leichten Windes - alles wieder rückgängig machen.
Motor hochhieven, Schwarzen Kegel bergen. Nachdem das vorgenannte Manöver beendet war, war auch der Wind wieder auf 0 bft.
Alles wieder wie gehabt zurück. Das kann auch einen Seemann doch erschüttern.
So fuhren wir auch an diesem Tag zeitweise unter Motor in den Westhafen von Wismar ein. Für die übliche Stadtbesichtigung und vor allem für das Bunkern von Benzin von einer weit entfernten Tankstelle erwiesen sich die Roller als wichtigstes Utensil. Übrigens das habe ich wohl vergessen zu erwähnen, Günter, der die TretScooter gar nicht mitnehmen wollte, hat in Travemünde einen EScooter erworben. Ab jetzt haben sogar alle drei Platz gefunden.
Nicht nur die alte Hansestadt Wismar mit den wunderbar restaurierten alten Bauwerken war einen Besuch wert. Wir nutzten auch die Gelegenheit mit der Bahn in die Hauptstadt von Mecklenburg Vorpommern , nach Schwerin zu fahren und waren vom Reiz der Stadt und den liebevoll restaurierten alten Gebäuden beeindruckt. Vom Kirchturm der Marienkirche hatten wir gute Aussicht über die ganze Stadt bis zum Schweriner See.
Leicht erschöpft, vor allem wegen der großen Hitze, die für das Ostseegebiet auch außergewöhnlich war, kehrten wir an diesem Abend nach Wismar zurück.
Was uns als SharkSegler in eigentlich allen Häfen, so auch im Westhafen von Wismar sehr entgegenkam, war die Infrastruktur. So war es mir möglich, dort meinen ersten Waschtag einzulegen. Für das nächste Jahr habe ich mir schon vorgenommen, weniger Wäsche mitzunehmen, was bei dem ohnehin geringen Platzangebot für zwei Personen immerhin waren wir vier Wochen unterwegs sehr hilfreich ist. Schließlich hatte Günter eine umfangreiche Videoausrüstung mitgenommen, die sicher verstaut werden musste.
So legten wir nach drei Tagen Aufenthalt im Westhafen von Wismar ab. Wir hatten uns vorgenommen, Kirchdorf auf der Insel Poel anzulaufen, nicht ahnend, dass wir dort gerade zum Schwedenfest zurecht kamen. Es wurde während dieser Tage die Rückgabe der Stadt Wismar durch die Schweden an Mecklenburg Vorpommern gefeiert. Zielsicher steuerten wir den Forellenhafen an, wo frisch geräucherter Fisch verkauft wurde, den man nicht nur dort im Restaurant genießen, sondern auf das Schiff mitnehmen konnte.
Der Fischbestand in der Ostsee ist durch unseren Fischkonsum ernsthaft gefährdet.
Unser nächstes Ziel war Rostock. Dankenswerterweise war der Hafen in Kühlungsborn, obwohl er sich noch in Bau befindet, soweit fertig, dass zwei Stege in Betrieb waren, und dort ein Zwischenaufenthalt möglich war. So konnten wir den Ostseebadeort Kühlungsborn mit seiner Bäderarchitektur besichtigen. Den Höhepunkt unseres dortigen Aufenthaltes stellte die Fahrt mit der Molli nach Doberan dar. Die Molli ist eine alte Dampflokomotive, die über Kühlungsborn West Bad Heiligendamm nach Doberan fährt. Man hält es nicht für möglich, aber die Bahn führt durch Bad Doberan direkt auf der Hauptstraße.
Von Kühlungsborn war ist nicht mehr weit nach Rostock. Hier kam fallweise Wind auf, und so steuerten wir abwechselnd unter Segel, bzw. unter Motor, Segel und Kegel (ein bisschen Gymnastik kann nicht schaden) Rostock, unser nächstes Ziel an. Vorerst überlegten wir einen Hafen in Warnemünde anzulaufen, doch suchten wir die Nähe des Stadtzentrums von Rostock. Uns das sollte so stellte es sich später heraus unser Glück sein. Wie in der letzten Zeit klagten wir auch hier über zu wenig Wind und so machten wir im Hafen des Segelvereines, gegenüber dem Museumshafen fest. Ein umsichtiger Hafenmeister legte uns nahe, weiter stadteinwärts, in den Gemeindehafen zu fahren, da wir dort sicherer liegen würden, da Sturm angesagt war. Wir folgten seinem Rat. Nachdem wir unsere Tequila mit allen vorhandenen Leinen eine haben wir dazu gekauft festgemacht haben, kamen noch Schiffe von Warnemünde nach Rostock, da 10 Windstärken ein nur annähernd sicheres Liegen unmöglich machten.
Wenn wir uns bis jetzt über zu wenig Wind beklagten, so kann ich nur sagen, Petrus hat mich erhört und nun Wind im Überfluss geschickt. Während der nächsten Tage war an ein Auslaufen nicht zu denken. Doch Rostock bot wieder ein größeres Besichtigungsprogramm. Mit der SBahn fuhren wir bei Wind und Wetter, das von einigen Sonnenstrahlen unterbrochen wurde, nach Warnemünde.
Wir machen aus der Not eine Tugend und nutzten die Sturmtage deren waren es vier mit einem Leihwagen nach Röbel an die Müritz zu fahren, wo doch im nächsten Jahr die Weltmeisterschaft der SharkSegler stattfinden soll, an der wir teilnehmen wollen.
Nun, nach ca. 14 Tagen, mussten wir langsam an unsere Rückkehr zum Ausgangspunkt denken. Als der Sturm auf ca. 4 Bft. abgeflaut war machten wir uns wieder auf den Weg uns segelten zurück nach Kühlungsborn. Als wir dort schon sicher im Hafen festgemacht haben, entdeckte ich am späteren Nachmittag eine einlaufende Shark, die vergeblich einen Liegeplatz suchte. Nach dem Motto ein SharkSegler hilft dem anderen, habe ich ihm gedeutet, dass neben uns noch in Platz frei wäre, schließlich ist für Schiffe dieser Art auf einem Liegeplatz Platz für zwei.
Der Segler mit seiner Mannschaft hatte schon Schwierigkeiten beim Festmachen. Ich hielt am Bug das Schiff und fragte schon, ob ich es die ganze Nacht halten müsste, da keine Vorleine montiert war und dies auch keinem Crewmitglied auffiel.
Nach Beendigung des Festmacherkaosses kamen wir mit dem Eigner ins Gespräch und erklärte er uns, dass dieses Schiff, das so aussieht wie eine Shark, eigentlich keine ist, da sie von einer Werft nachgebaut wurde.
Dann verließ uns die Crew aber nicht über den Steg, sondern mit dem angehängten Schlauchboot mit dem Bemerken, wir möchten, wenn wir am nächsten Tag ablegen sein Boot umhängen. An seinem Kajütenschott prangte ein Zettel mit der Telefonnummer für dringende Erreichbarkeit.
Am darauffolgenden Morgen legten wir ab in Richtung Timmendorf auf der Insel Poel nicht ohne vorher die Pseudoshark ordentlich festgemacht zu haben, denn der Eigner wurde nicht mehr gesehen. Dort waren wir wegen zunehmenden Windes und des eindringlichen Rates des Hafenmeisters wieder drei Tage "verhaftet'. Timmendorf hat zwar einen schönen Badestand aber sonst war dort nicht viel los. Der Ort war ca. 2 km entfernt von Hafen und Strand, es gab dort außer Andenkenkitschläden und Fischbrötchenverkäufern eigentlich nichts. Nicht einmal einen Geldautomaten, den wir schon dringend benötigten, konnten wir in dem Ort ausfindig machen. Dazu hätten wir mit dem Autobus nach Kirchdorf fahren müssen. Der Landstrom war nur mit 50Cent Stücken zu starten, was Günter veranlasste, 50 Centstücke zu horten, um Kühlbox und Bordheizung in Gang zu halten.
Wie schon erwähnt wollten wir zum Cutty Sark Tall Ships' Race vom 21. bis 24. 8. 2003 wieder nach Travemünde kommen. So legten wir von Timmendorf morgens ab und hatten wie könnte es anders sein den Wind "auf die Nase". Bei 5 7 Bft. kreuzten wir insgesamt 30 sm nach Travemünde um wieder in der Baltic Werft fest zu machen.
Aber es hat sich gelohnt, während dieser Zeit in Travemünde zu sein. Auf der Trave haben Traditionssegler und Windjammer aus Russland, Mexiko , Holland und Deutschland festgemacht. Der Höhepunkt dieser Veranstaltung war die Windjammerparade an der auch wir (natürlich nicht mit unserer Tequila) auf der MIR, einem russischen Traditionssegler teilgenommen haben.
Eigentlich hatten wir vor, am nächsten Tag von Travemünde bis Großenbrode zu segeln. Doch Nebel und schlechte Sicht machten einen späteren Start notwendig, sodass wir schon Grömitz festmachen mussten. Wir fühlten uns dort sofort wohl, am Nachmittag lachte die Sonne (und nicht nur sie), als wir mit unsren Scootern über die unendlich lange Strandpromenade fuhren.
Am nächsten Tag setzen wir unseren Törn fort nach Großenbrode. Bei kräftigem Wind steuerten wir den Hafen von Goßenbrode an, da wir vor hatten unter der Fehmarnbrücke durchzusegeln. Dies gelang uns wieder nur unter Segel, Motor und Kegel, was diesmal vermutlich von der Schifffahrtspolizei kontrolliert wurde, die fuhr sehr nahe an unsere Tequila heran, grüßte und entfernte sich wieder.
DP 07 auf Kanal 24 sagte schon schlechteres Wetter und Schauerböen voraus. Mit diesen machten wir am Weg nach Grömitz Bekanntschaft. Die erste Handlung nach dem Festmachen in Grömitz war die Inbetriebnahme der Bootsheizung und die Zubereitung einer heißen Gulaschsuppe. Unter unserer Regenpersenning wurde die Segelbekleidung zum Trocknen aufgehängt. Hier beschlossen wir, unser Schiff in Grömitz aus dem Wasser zu heben. Es fand sich zufällig ein netter Herr im Hafen, der uns mit seinem PKW nach Neustadt fuhr, wo wir unser Auto und den Trailer holten.
Von Grömitz aus fuhren wir nach Eutin. Diese alte Stadt war wirklich auch einen Besuch wert. Auch die Rundfahrt auf dem Eutinersee war sehr reizvoll.
Auch haben wir die letzten Tage die uns abwechselnd mit plötzlichen Regenschauern und und ebenso unmittelbar einsetzenden Sonnenschein überrascht haben für einen Waschtag und Arbeiten am Boot genützt.
Am 3. September haben wir, mit einem tränenden Auge unser Schiff aus dem Wasser gehoben, um die Heimfahrt anzutreten.
Beim Schreiben dieses Berichtes hatte ich nochmals Gelegenheit, von den erlebnisreichen Wochen zu träumen. Wir werden sicher im nächsten Jahr an die Ostsee fahren und überlegen sogar, dann unsere Tequila für immer dort zu lassen, was uns auch die Mühen des Trailerns ersparen würde. Zu sehen und zu erleben gibt es dort für uns noch mehr als genug.
Wir möchten uns an dieser Stelle noch bei Herrn Koppers und Herrn Möller bedanken, die uns Mut gemacht haben, mit unserer Shark, an die Ostsee zu fahren.
Tequila Sunrise, Christine und Günter Gabitzer
Unsere Ausrüstungsliste:
2 13l – Benzintanks für den 5PS 4-Takt Außenbordmotor 1 komplette zusätzliche Segelgarnitur 2 Anker mit Ankerleine und reitgewicht 2 Tretroller 1 E-Roller 1 Rettungsinsel (für die wir bis heute keinen geeigneten Platz auf unserer Shark gefunden haben) 2 Funkantennen 1 eingebautes Seefunkgerät 1 Handfunkgerät 1 Bohrmaschine 1 riesige Nietzange 1 immer noch zu kleine Werkzeugkiste Videoausrüstung, Fotoausrüstung (mit diesen hat Günter geschlafen) Festmacherleinen, die geeignet gewesen wären, die MIR festzumachen 1 50 m Kabeltrommel, diverse dazugehörige Steckerkupplungen (u.a für Kabelsalat im Hafen Kühlungsborn) 2 5l Wasserkanister Kühlbox Bordheizung 1 Spirituskocher 1 E-Platte 1 Wasserkocher 2 Bratpfannen 1 Bügeleisen 2 Wäschespinnen Bibliothek mit diversen Hafenhandbüchern, Ostseeführer, Seekarten 2 Radios 1 Fernseher (den wir nie gebraucht haben) |