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Nach der Ostsee im vergangenen Jahr stand dieses Mal ein Törn mit der AKI (969) in den Niederlanden auf dem Programm.
Die Gewässer Zeelands bieten ein äußerst abwechslungsreiches Revier, von den ruhigen Meeren: Grevelingen- und Veerse-Meer, die durch die Eindeichungen praktisch Binnengewässer geworden sind über die Oosterschelde, die schon kräftige Gezeitenwechsel und damit auch Strömungen hat und der Westerschelde und den Wattgebieten, die doch ein recht anspruchsvolles und auch raues Seerevier darstellen.
Mein Stammliegeplatz ist Colijnsplaat, etwa 2sm nordwestlich der Zeelandbrücke, der Tidenhub liegt zur Springzeit bei etwa 3 Metern und die Strömungen sind z.T. doch so stark, dass ein Gegenansegeln nur wenig Freude macht. Die erste Etappe sollte ins Veerse – Meer führen, sinnvoll war also auflaufendes Wasser.
Niedrigwasser war für den 10.08. für 11:42 GZ angegeben, der Wind kam angenehm aus West mit etwa 4 – 5 Bf und herrlicher Sonnenschein, also machte ich mich bereits eine Stunde vor NW auf den Weg. Bis zur Ansteuerung des Zandkreek, das zur Veerse – Meer Schleuse führt, sind es etwa 6 sm, ein kurzer Sprung. Auf der Karte erscheint der Zandkreek als scheinbar grades Gewässer, in Wirklichkeit windet er sich doch recht stark und ist auch noch ziemlich schmal. Hier bekam ich den Wind nun voll auf die Nase und der übliche Wochenendverkehr ließ ein Aufkreuzen praktisch nicht zu, also unter Motor.
Vor der Schleuse der übliche Trubel und das bedeutet Warten, dabei lernt man Mitmenschen der unterschiedlichsten Art kennen, besonders beliebt aber die Zeitgenossen, die nach dem Motto agieren: “Hoppla jetzt komm ich”, großes (Motor)schiff, viel PS und wenig Zeit.
In der Schleuse war es mal wieder so voll, dass Festmachen eigentlich überflüssig war, ich fand es recht praktisch, um 13:20 Uhr war ich dann endlich durch.
Sportlicher Ehrgeiz kann ganz schön anstrengend sein, 1 sm bedeuteten so etwa 35 – 40 Wenden, wenn man das alleine macht schlaucht das doch. Die Delta Marina in Kortgene (etwa 3 sm hinter der Schleuse oder soll ich die Entfernung in Wenden angeben?) bietet eine sehr gute Versorgung, vor allem auch eine Tankstelle, die Benzin hat. Der Hafenmeister weist mir eine Box ziemlich am Ende zu, leider hat sie einen kleinen Schönheitsfehler, der Wind steht genau quer. Über Backbordbug schaffe ich es nicht zwischen die Pfähle zu kommen, nach dem 2. Anlauf eine Ehrenrunde und über Steuerbord geht es.
Das Veerse – Meer mit seinem teilweise recht engen gewundenen Fahrwasser reizt durch seine parkähnliche Landschaft, leider dreht der Wind mit Starke 4-5 Bf von West immer weiter auf Nordwest z.T. bis auf Nord, so ist der Weg nach Veere doch recht mühsam und ich brauche für 6 sm nahezu 3 Stunden.
Veere stand im Mittelalter den prächtigen Städten Gent, Brügge oder Antwerpen angeblich nicht viel nach, überragt wird die Stadt von der Grote Kerk, die 1809 von den Engländer bombardiert wurde und ab 1811 als Lazarett napoleonischer Truppen diente. Zu dieser Zeit wurden die Kirchenfenster zugemauert und so steht sie ohne Turm noch heute da. Für einen Stadtbummel, für den man sich ruhig etwas Zeit nehmen sollte, kann man im Stadtshaven (sofern man einen Platz findet) oder in der Einfahrt zum Kanaal door Walcheren in der Marina Veere festmachen. Die “Schottse Huizen”, Kolonie und Warenhäuser schottischer Kaufleute, das gotische Rathaus und das “Campveersche Toren” sind schon sehenswert.
Durch die Schleuse “Veere” gelangt man in den Kanal door Walcheren, jetzt wird die Entfernung bis Vlissingen in Kilometern gemessen. Diesmal habe ich in der Schleuse keine helfende Hand, wenn man eine lange Vor- und Achterleine über einen Schleusenpoller, der etwa mittschiffs ist, legt, kann man die Shark aber recht gut halten.
Der Wind erlaubt es, dass ich unter Segeln bis nach Middelburg (Km 7) komme (der Motor sollte allerdings immer startklar sein). Middelburg ist die Hauptstadt der Provinz Zeeland und nennt sich “Monumentenstad”, sie wurde im 2. Weltkrieg schwer verwüstet, ist aber nach einem langen Wiederaufbau zu alter Schönheit auferstanden. Ich habe ja Zeit und auch hier sollte man sich die Zeit zum Schlendern gönnen.
Bis Vlissingen sind es dann noch mal 7 km, aber leider wird der Weg durch 5 bewegliche Brücken doch recht lang. Ich fahre wieder unter Segel, aber in recht kurzen Abständen heißt es Segel bergen und Warten.
In Vlissingen gibt es 2 Häfen, der alte Bootshafen vor der Seeschleuse, aber mitten im Industriegebiet, oder aber der Vissershaven (Michiel de Ruyter-Haven) mitten in Vlissingen. Dazu muss man aber den Kanal durch die Seeschleuse verlassen und noch ein Stück auf der Westerschelde fahren.
Die meisten Mitfahrer im Kanal biegen in den Bootshafen ein, vor der Schleuse warte ich mit 2 englischen Schiffen auf die Freigabe. Die Engländer ziehen sich Ölzeug über, legen lange Leinen auf Vor- und Achterschiff bereit, ich tue es ihnen gleich.
Der Wasserstand im Kanal beträgt im Sommer NAP+0,7m, d. h. Springniedrigwasser+70 cm, der Tidenhub der Schelde in Vlissingen aber ca. 5m, im ungünstigsten Fall geht es in der Schleuse also etwa 4 m rauf.
Auch diesmal klappt der Trick mit den langen Leinen und dem Festmacher mittschiffs gut und die Schleuse entlässt uns drei Schiffe in die Westerschelde und ich weiß jetzt auch wofür das Ölzeug nötig ist: Wind Nordwest 4, auflaufendes Wasser und eine unangenehme Welle.
Der Vissershaven liegt etwa eine Meile westlich der Schleuse, der Motor läuft auf hohen Touren und dennoch will die Tonne nicht weichen, ein Blick auf das GPS zeigt 0,9 bis 1,3 kn, der Strom ist nicht von schlechten Eltern. So brauche ich fast eine Stunde, um zur gemeinsamen Einfahrt des Koopmannshaven und Vissershaven zu gelangen. Im Koopmanshaven liegen die Lotsenversatzboote mit laufenden Motoren und brettern bei Anforderung mit Vollgas los, da muss man schon aufpassen.
In den de Ruyter-Haven gelange ich dann durch die offene Schleuse und 2 kleine Brückchen, die die Hafenmeisterin öffnet. Hier liegt man direkt im Zentrum unterhalb der Festung mit dem Denkmal von Michiel de Ruyter, der 1607 in Vlissingen geboren wurde und einer der größten Admirale der Niederlande war.
Der Hafen ist ein sogenannter Barrehafen, in der Einfahrt liegt eine Schwelle, so dass der Hafen selbst bei extremem Niedrigwasser nicht trocken fällt, der Nachteil ist aber, dass man nur ein bestimmtes Zeitfenster um das Hochwasser herum hat, in dem man den Hafen anlaufen oder verlassen kann.
Am Abend bummele ich noch ein wenig durch Vlissingen, genieße das Treiben auf der Strandpromenade und entdecke einen Aldi, der um 20:00 Uhr noch geöffnet hat.
Jetzt gibt der Tidenkalender wieder den Takt vor, ein Blick zeigt: HW am nächsten morgen um 06:01 Uhr, der Gezeitenatlas gibt an, dass man ca. 4 Stunden mitlaufenden Strom hat, der aber bei Westkappelle dann schon wieder zu kentern beginnt.
5 Uhr aufstehen, damit man noch in Ruhe frühstücken kann, ist für Urlaub eigentlich ein wenig hart, ich schaffe es um 06:30 Uhr aus der Koje zu kommen, die Morgentoilette und das Frühstück fallen recht knapp aus, so dass ich um 07:15 rauskomme, der Wind (4 Bf) kommt noch immer aus Nordwest, das bedeutet Aufkreuzen bis nördlich Westkapelle. Die Berufsschifffahrt nimmt natürlich den kürzesten Weg durch das Oostgat, ich kreuze westlich zwischen den großen Flachs auf, um den großen Pötten zu entgehen (auf der Schelde ist Radarreflektor und Abhören der vorgeschriebenen Funkkanäle, sofern man ausgerüstet ist, Pflicht). Um 11:00 Uhr stehe ich dann etwa 4 sm nordwestlich Westkapelle, ich bin soweit rausgegangen, da der Strom, der mir jetzt schon entgegenkommt, laut Stromatlas hier deutlich geringer ist.
Der deutlich nachlassende Wind hat auf West zurückgedreht, so dass ich nun fast vor dem Wind laufe. Der “Eiserne Gustav” meckert laufend, da er Probleme hat den Kurs zu halten. Ein Blick nach achteraus macht auch klar warum, ich kann über die von hinten anlaufenden Wellen kaum herüberschauen, sie heben die AKI an und es geht dann mit Schwung ins nächste Wellental, Vorwindkurs und Welle: eine elende Schaukelei. Ich muss nun selber an die Pinne, teilweise kreuze ich vor dem Wind, das schafft der Autopilot nämlich, um ein wenig Entspannung in Form eines Kaffe und etwas Nahrhaftem zu bekommen
Um 14:00 Uhr stehe ich dann am Westgat und laufe durch das Oude Roompot wieder in Richtung Osterschelde. Um 17:00 Uhr und nahezu 10 Stunden bin ich dann an der Roompot Schleuse. Nach Karte sind dies nur sind es nur gut 30 sm, der GPS Logger zeigt mir 53 sm über Grund an, die Kreuzerei auf der Westerschelde und vor dem Wind addiert sich doch ganz ordentlich, aber es ist immerhin ein Schnitt von guten 5 Knoten.
Die Schleuse ist fast leer, ein kleines Motorboot und ein Fischkutter vor mir. Die Fischer machen ja nicht großartig fest, sondern laufen in die Vorspring und halten ihr Schiff dann durch leichte Vorausfahrt an der Schleusenmauer, nur mit der Shark dahinter zu liegen, macht wenig Spaß. Die Arme werden bei mir immer länger, der Schwell drückt mich weg, bis der Skipper vor mir Erbarmen zeigt und seinen Kutter noch mit einer Achterleine sichert und die Maschine auf Leerlauf stellt. Auch beim Auslaufen legt er den Gashebel nur bedächtig nach vorne, so komme ich auch heil aus der Schleuse.
Die Nacht könnte ich nun in der Marina Roompot verbringen oder noch eben die 5 sm bis zu meinem Stammplatz segeln, also noch eben das Stückchen weiter und um 18:45 Uhr liege ich wieder in Colijnsplaat.
Tagesbilanz: In fast 12 Stunden 58 sm gesegelt und hundemüde. Boot aufklaren, ein leckeres Bierchen, Duschen (man beachte die Reihenfolge), eine Kleinigkeit Essen gehen und dann Schlafen. Diesmal kann ich es mir ja auch leisten, denn das nächste Ziel liegt im Grevelinger Meer und um mitlaufendes Wasser zu haben, kann ich am nächsten Tag sowieso erst frühestens gegen 12:00 Uhr los.
Bis zu Grevelinger Schleuse sind es nur 13 sm, aber Keeten, Mastgat und Zijpe gehören zur Verbindung der Westerschelde mit Rotterdam, dementsprechend gehen hier auch große Pötte durch, die praktisch keinen Platz zum Ausweichen haben, Funk abhören ist Vorschrift und man hört genau, wann der nächste Pulk kommt, der eine der Schleusen (Wemmeldinge / Osterschelde oder Volkerak) verlassen hat.
Der Wind kommt weiter recht schwach aus West, um 16:15 bin ich dann, dem Strom sei Dank, nach gut 2,5 Stunden an der Schleuse. Wochentag (welcher eigentlich ?, ach ja Donnerstag !) bedeutet einen schnellen Durchgang; am Wochenende kann es auch schon mal 2 oder mehr Stunden dauern.
Bis 1971 war das Grevelingenmeer noch ein offener Mündungsarm, damals hieß es auch noch nicht Meer, sondern nur Grevelingen. Heute ist es ein Brackwassersee mit zunehmenden ökologischen Problemen der Gewässergüte, aber noch ist es ein reizvolles Revier, mit einer Menge Tücken aber natürlich ohne Gezeiten.
In Ouddorp war ich noch nie, also warum nicht diesmal?, noch mal gute 10 sm, ein Klacks. Die Fahrwasser sind gut betonnt, aber gerade in den Engstellen sollte man sich auch daran halten und vor allem auf die Steindämme achten, die kaum zu erkennen sind.
Die Nachmittagsbrise lässt mich am Wind zügig vorankommen und um 19:10 liege ich in Ouddorp fest. Die entzückenden Beschreibungen einiger Nachbarn aus Colijnsplaat kann ich nicht so unbedingt nachempfinden, es ist ganz nett, aber man muss nicht hier gewesen sein.
So langsam geht meine freie Zeit zu Ende, also geht es am nächsten Tag auf nahezu dem gleichen Weg zurück, nur diesmal über das wirklich enge Springersdiep und den Hals. Die engsten Stellen sind dort etwa 1 Kabellänge und links und rechts davon ist es sofort flach, selbst für eine Shark.
Ab Grevelingen Schleuse muss man dann wieder den Gezeitentakt berücksichtigen, HW ist um 16:30 Uhr und dann hat man einen schön mitlaufenden Strom Richtung Osterschelde, ich habe richtig geplant und muss aber diesmal aufkreuzen und schaffe die 13 sm (= 18sm Kreuz) zurück in knapp 4 Stunden.
Den letzten Abend an Bord genieße ich noch an Deck, trinke in aller Ruhe ein Gläschen Rotwein und überlege was ich im nächsten Jahr anstellen könnte, Ideen gibt es schon.
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