Shark 24 vs. Sunbeam 22

Alles rund um Regatten

Moderator: Horst Rudorffer

erbseman
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Shark 24 vs. Sunbeam 22

Ungelesener Beitrag von erbseman » 05.01.2014, 17:49

Hallo Sharkies!

Ich trage mich schon länger mit dem Gedanken eine Shark zu kaufen, da sie einen sehr guten Kompromiss aus Segelperformance, Trailerbarkeit und "Seetauglichkeit" darzustellen scheint. Ich kenne diverse Törnberichte und die Geschichten über div. Atlantiküberquerungen. Soll heissen ich beabsichtige mit dem Boot auch am Meer zu segeln.

Doch meine Frage bezieht sich auf einen anderen Punkt:

Da ich auf einem Binnensee segle der meistens nur leichte Winde bietet lautet meine Frage:

Wie segelt die Shark in leichten und mittleren Winden (1 - 3 Bft.) im vergleich zu einer Sunbeam 22 die ja gerade bei Leichtwind eine sehr gute Performance bietet und deren Segeleigenschaften ich gut kenne und wie gut kreuzt sie?

Ich bin Ragattasegler und kenne mich mit Trimmrelevanten Fragen aus, das heisst Antworten bitte nur von Seglern die auch wirklich trimmen und sich nicht einfach draufsetzen und segeln - deshalb auch die Regattaecke gewählt!!! ;-))

Vielen Dank für eure Mühe, Erwin

Horst Rudorffer
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Re: Shark 24 vs. Sunbeam 22

Ungelesener Beitrag von Horst Rudorffer » 06.01.2014, 16:59

Hai Erwin,
da ich seit 47 Jahren Regatten segele, zunächst intensiv 420er, dann 470 und 505 sowie ab 1988 überwiegend Shark24 (u.a. Welt- und 4mal Europameister) und diverse andere Kielboote, gehöre ich hoffentlich der von Dir angesprochenen Zielgruppe an.

Nach über 500 Regatten und unzähligen Diskussionen bin ich davon überzeugt, dass nur das Regattasegeln in einer Einheitsklasse wirklich Sinn macht. Jede Art von Vergütungsregelungen führt meist nur zu Frust, wenn nämlich Wind- und Seebedingungen über die Platzierung entscheiden. Wenn dann noch die Größe des Finanzbudgets eine erhebliche Rolle spielt, hört bei mir der Spaß dann ganz auf.
Aber an der großen Anzahl unterschiedlicher Bootsklassen leidet die gesamte Regattaszene. Jedes Jahr versuchen eine Vielzahl von Werften eine neue Einheitsklasse zum vergütungslosen (einzig wahren) Regattasegeln in den Markt zu drücken. In der gesamten Republik wurde das Problem erkannt und so beschlossen einige Vereine am Bodensee, die J70 als neue Einheitsklasse zu fördern. Mal sehen, wie lange die am Markt bleibt und wie groß die Felder sein werden. Ich habe auf jeden Fall keine Lust, mir alle paar Jahre ein anderes Boot zuzulegen.

Da es mir persönlich die größte Freude bereitet, in großen Feldern zu starten (30+) kommen dann schon nicht mehr viele Typen in Frage. Bei Kielyachten bis max. 1,5 to gibt es in GER nur die Varianta (K3/K4/K65 wobei praktisch nur die K3 ganz vorne mitsegelt) die einigermaßen große Startfelder zusammen bringen. Die Varianta und auch die Subeam22 sind bei den von Dir angesprochenen 1 – 2 Windstärken etwas schneller als die Shark24 (da Topgetakelt und dadurch deutlich größere Genua und Spi). Danach kippt das Verhältnis aber dramatisch. Auch sind die Segeleigenschaften bei mehr Wind deutlich besser. Man muss, auch wegen des gedrungenen Segelplans (relativ kurzer Mast), erst sehr spät reffen. Aber wenn Du ohnehin nicht vergütungsfrei segeln möchtest, kannst Du wie einige Sharkies es zum Beispiel bei Mittelmeerurlaubstörns gerne machen, einen Topspi mit ca. 45m² und eine Topgenua hochziehen. Für Rigg und Schiff überhaupt kein Problem. Damit bist Du fast unschlagbar, denn im Gegensatz zur Sunbeam22 und Varianta wird die Shark24 insbesondere auf raumen Kursen deutlich schneller als 10 Knoten (persönlicher Rekord liegt bei 12,5 Knoten und 60 sm-Schlag mit einem Schnitt von mehr als 10 kn mit der Standardbesegelung). Dies liegt an der jollenähnlichen Rumpfform und dem sehr günstigen Längen-Breitenverhältnis. Dadurch sind Sonnenschüsse so gut wie unbekannt. Durch das angehängte Ruder bietet sie ein ausgezeichnetes Steuerverhalten und garantiert beste Manövriereigenschaften auch unter Motor im Hafen.

Die Sunbeam22 und die Shark24 gibt es als Fest- und Kielschwertvariante. Die Schwertvariante sehe ich als Zugeständnis an die Segler vom Neusiedlersee, wo die Stegliegeplätze meist im Flachwasser- bereich liegen. Mit beiden Schiffen gibt es dieselben Probleme, nämlich weniger Höhe am Wind und mehr Serviceaufwand bzw. technische Probleme. Ich würde auf jeden Fall die Festkielversion wählen. Die gesegelte Höhe hängt sehr stark von der Crew und der Bootsgeschwindigkeit ab. Also 1-2 Bft. - Sunbeam22 und Varianta geringfügig mehr Höhe, bei mehr Wind - Shark24 deutlich mehr Höhe.

Weil die Shark24 über so ausgezeichnete Segeleigenschaften und erhebliche Sicherheitsreserven bei Starkwind verfügt, ist sie auch bei Fahrtenseglern, wie Du richtig erkannt hast, sehr beliebt. Dazu kommt noch die gute Trailerbarkeit wegen des geringen Gewichts (komplett ca. 1100kg plus 450kg Trailer).

Für Ruckfragen stehe ich Dir gerne zur Verfügung, eventuell auch auf der „boot 2014“ Gemeinschaftsstand der Klassenvereinigungen A58 in Halle 17.
Gerne kannst Du in der nächsten Saison mal meine Shark hier in Wiesbaden segeln, wo ca. 60 Sharks und auch die Werft, die immer noch neue Schiffe produziert, zuhause sind.
Horst Rudorffer

erbseman
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Re: Shark 24 vs. Sunbeam 22

Ungelesener Beitrag von erbseman » 07.01.2014, 21:16

Hallo Horst!

Vielen Dank für deine sehr unfangreiche, rasche und sehr informative Antwort. Es ist nicht so, dass ich dem vergütungsfreiem Segeln nichts abgewinnen kann (bin ein paar Jahre Starboot gesegelt) aber mein Fokus liegt leider beim Binnensegeln auf einem Leichtwindrevier.

Aber wie du ohnehin schon erkannt hast zieht es mich auch auch aufs Meer - und da ist die shark sowieso erste Wahl: gute Größe, leicht zu trailern und solide Reserve für stärkeren Wind.

Auf die Boot werde ich es ziemlich sicher nicht schaffen, aber wenn ich darf würde ich dich gegebenenfalls gerne kontaktieren um - wenn es dann "ernst" werden sollte - einige Schläge mitsegeln zu können. Vielleicht kannst du mir auch zu einem Kontakt zu einem Regattasegler in Österreich verhelfen der mich ein bisschen ins hai-lige Sharksegeln Einblick nehmen lässt...

besten Dank nochmal, Erwin

Eine Frage noch an alle: gibt es soetwas wie eine Liste der Punkte auf die man bei einem sharkkauf besonders achten muss - die Preise variieren nämlich gewaltigst!!! Hab bisher noch nix gefunden...

Vielen Dank im voraus für euer Bemühen!!!

Erwin

Horst Rudorffer
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Re: Shark 24 vs. Sunbeam 22

Ungelesener Beitrag von Horst Rudorffer » 08.01.2014, 13:09

Hallo Erwin,

da Du offensichtlich im schönen Österreich beheimatet bist, empfehle ich Dir den Besuch der
Austrian Boat Show - BOOT TULLN
06. bis 09. März 2014
!!! Öffnungszeiten: Täglich von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr !!!
http://www.messe-tulln.at/messe_kalende ... oot_tulln/

Dort stellen unsere Freunde der österreichischen Shark24 KV (www.shark24.at) eine werftneue weiße Shark mit Kunststoffdeck in Holzoptik aus.
Dort kannst Du bestimmt auch mehr zu den Unterschieden zur Sunbeam 22 erfahren, da sie bei Euch ja viel stärker verbreitet ist. Zur weiteren Beratung und Probesegeln bitte mit Andy Pamperl oder jemandem aus seinem Team Kontakt aufnehmen.

Viel Erfolg bei der Suche und dann vielleicht schon auf ein Wiedersehen bei der IÖM 2014 im Rahmen der Traunseewoche.
Horst

erbseman
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Re: Shark 24 vs. Sunbeam 22

Ungelesener Beitrag von erbseman » 08.01.2014, 19:02

Hallo Horst!

jep - bin ein Kärntner und segle am wunderschönen Wörthersee!

Danke dir nochmals für deine prompte Reaktion und auch für den Namenstipp. Werde mich dahingehend schlau machen!

LG aus dem Süden, Erwin

Neptun20
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Re: Shark 24 vs. Sunbeam 22

Ungelesener Beitrag von Neptun20 » 22.12.2016, 21:19

Hallo,
sehr interessant so ein direkter Vergleich. Ich habe auch schon viel über das hohe Potential der Schark24, vor allem bei Windstärken jenseits von 3 Bft gehört. Trotzdem wundert es gerade deshalb, dass selbst bei diesen guten Bedingungen die Sharks24's nicht in den vorderen Rängen sind. Ich weiß schon, Yardstick-Regatten sind nicht ganz gerecht, aber wo sonst ist ein direkter Vergleich zwischen unterschiedlichen Bootstypen möglich.
herzliche Grüße
Gerhard

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