Rettungsinsel oder Schlauchboot

Rund um das Fahrtensegeln

Moderator: Horst Rudorffer

Becker
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Rettungsinsel oder Schlauchboot

Ungelesener Beitrag von Becker »

Hallo Sharkies
Ich habe beim Fahrtensegeln im Mittelmeer bisher ein Schlauchboot mit mir herumgeschleppt. Vorgesehen fürs Ankern und als Notbehelf im Falle des Absaufens. Ankern tue ich aber nicht und falls das Boot absäuft krieg ich das Schlauchboot vermutlich nicht aus der Kabine gezerrt und aufgeblasen. Hab mir deshalb eine leichte und vom Packmass her sehr kleine Rettungsinsel gekauft, die aber auch nur für den Einsatz nah der Küste oder in grossen Binnenseen gedacht ist. Eine vernünftige Rettungsinsel erschien mir wieder zu gross und zu schwer. Wie handhabt ihr das?
Viele Grüsse
Roland
daxwert
Beiträge: 4
Registriert: 04.11.2021, 15:52

Re: Rettungsinsel oder Schlauchboot

Ungelesener Beitrag von daxwert »

Guten Tag Roland, diese Gedanken haben sich meine Bordfrau und ich als "Shark24-Ostsee-Küstensegler" dazu gemacht:

Es kommt hauptsächlich darauf an, wo mit einer Shark24 gesegelt wird:
- Fluss oder kleiner Binnensee (wo man mit Glück ans Ufer schwimmen kann)
- großer Binnensee oder Küste (Schwimmen zwecklos weil Distanzen zu groß).
Die Shark24 wird nach der EU-Entwurfskategorie "C" (bis Windstärke 6 und bis Wellenhöhe 2 m) gebaut. D. h., sie ist von der Entwurfskategorie her kein hochseetüchtiges Fahrzeug ("B" Wind bis 8, Wellen bis 4 m, "A" Wind über 8, Wellen über 4 m).
Man kann aber mit der Shark24 auch mal auf dem Meere segeln. Aber bitte nur am Rand, wo man sich in sehr kurzer Zeit so hinter Lee-Ufern, Inseln, Buchten sowie in Häfen "verkrümeln" kann, dass einem hohe und gleichzeitig steile Wellen nichts mehr anhaben können.
Wenn man das im Hinterkopf behält, bleiben auf der Ostsee immer noch zahlreiche interessante Reviere übrig, bei denen man sich in der Regel nicht weiter als 3 Seemeilen vom nächsten Ufer entfernen muss.
Das wiederum bedeutet, dass man automatisch in Reichweite der Seenotretter und anderer Fahrzeuge bleibt. Man muss sie im Notfall aber per Handy oder besser per UKW-DSC-Funk benachrichtigen können.
Da draußen, ohne jede Landsicht und mit manchmal nur wenig Schiffsverkehr, kann es auch mal einige Stunden dauern, bis Rettung naht. Dann kommt auch die Wassertemperatur ins Spiel.
Kurz, auf größeren Revieren stellt sich die Frage "Was tun, wenn unser Bötchen auf Tiefe gehen sollte und wir aussteigen müssen"?

Die "Klassiker", wie man auch mit einer Shark24 in eine solche Not-Situation kommen kann, sind die gleichen wie bei größeren Booten, z.B.:
1. Feuer in der Kajüte mit anschließendem Verlassen des Bootes nach erfolglosen Löschversuchen
2. Ein Leck infolge einer Kollision mit einem Gegenstand (z.B. ein knapp unter der Wasseroberfläche treibender Container aus Stahl)
3. Ein undichte Lenz-Leitung, z.B. an den Schlauchschellen der Cockpit-Lenzschläuche oder an deren bronzenen Aussenhaut-Durchbrüchen)
4. Querschlagen im Seegang mit Kenterung und Volllaufen des Rumpfes, z.B. bei unglücklich offen stehendem Kajüt- oder Schiebeluk (hat es auch schon kurz vor Hafeneinfahrten gegeben!).

Es beruhigt ungemein die Nerven, und würde mit Sicherheit auch von Untersuchungsbehörden positiv gewertet werden, wenn man noch irgendeinen schwimmenden Untersatz dabei hat - nur welchen? Die im Fachhandel angebotenen Rettungsinseln sind für die Shark24 mit ihrer geringen Verdrängung unseres Erachtens nach allesamt zu schwer. Selbst die Kleinsten wiegen noch stolze 30 Kilogramm. Und dann - wohin damit? Die Lagerung vor dem Mast oder achtern quer an Deck würde die Segeleigenschaften sehr verschlechtern. In der Kajüte gestaut bestünde die Gefahr, einen solch schweren "Trumm" nicht mehr rechtzeitig an Deck hoch holen zu können. Zugegeben - es gibt Leute, die ausreichend Körperkraft dafür hätten, meine Bordfrau und ich gehören leider nicht dazu.

Nach reichlicher Diskussion einigten wir uns auf folgende Überlegungen:
1. Ganz kleine Lecks, rechtzeitig entdeckt, können wir eventuell auch zu zweit mit unserem Leckbekämpfungs-Zeug in Schach halten.
2. Wir fahren nur von Yachthafen zu Yachthafen, sodass wir kein Beiboot brauchen.
3. Wir fahren nur bei aussichtsreichem Wetterbericht und nur so weit hinaus, daß eine reelle Chance besteht, uns innerhalb von 3 bis 4 Stunden zu finden, wenn wir einen DSC-Notruf absetzen. D.h., wir bewegen uns zu über 90 % innerhalb der 3-Meilen-Zone, aber immer innerhalb einer Zone von ca. 12 sm Abstand zur Küste.

Unsere "Lösung" besteht aus einem kleinen, sich automatisch aufblasenden Rettungsfloß ohne Dach. Hersteller ist die griechische Firma Lalizas und erhältlich ist das Gerät im Fachhandel. Es bietet Platz für zwei Personen (Lalizas sagt 4, wir sagen 2). Es muss alle zwei Jahre zur Wartung durch einen Fachbetrieb wie die Rettungswesten auch. Das Gewicht beträgt mit Packtasche 18 Kilogramm. Es liegt während des Segelns auf einer der beiden Hauptkojen. Eine am Floß befestigte 10 mm Schot führt unter dem Schiebeluk hindurch ins Cockpit. Damit kann jeder von uns das Ding hoch ins Cockpit hieven. Vor dem Überbord-Werfen und Aufblasen muss es natürlich mit der zugehörigen Sorgleine am Boot befestigt werden. Einmal aufgeblasen, kann es ein Fachbetrieb zwar wieder reinigen, zusammenfalten und prüfen. Das kostet aber fast soviel wie ein neues Gerät.
Um es klar zu sagen: Dieses Gerät ist keine ernstzunehmende Rettungsinsel. Es reizt Wartungs-Fachbetriebe schon mal zum Lachen. Aber - wenn man denen erklärt, welch kleines Gefährt eine Shark24 ist, und wo man damit fahren möchte, dann hört man ein verständnisvolles "Besser als nix!".

Wir haben an der Floß-Packtasche auch unsere EPIRB befestigt, damit diese im Seenotfall auch da schwimmt, wo wir dann hoffentlich sind, nämlich auf dem Floß. Damit und mit einem DSC-Notruf vor Verlassen des Bootes sollte es Küstenwache oder Seenotrettern möglich sein uns zu finden. Soweit die Theorie! In der Praxis taugt alles nichts, wenn es nicht geübt wurde. Das wäre aber ein weiteres Thema.

Dem Shark-Regattasegler stellt sich obige Frage natürlich nicht so wie dem Küsten-Segler, weil er in der Regel von Regatta-Begleitbooten oder Wettbewerbern umgeben ist. Auch würde eine Wettfahrtleitung eine Suche veranlassen, wenn ein Boot nach Ende der Wettfahrt überfällig sein sollte. Ferner segelt die Regatta-Crew zu dritt. Mindestens zwei Leute könnten Wasser schöpfen oder ein Leck bekämpfen. Das sind zusammengenommen viel bessere Voraussetzungen als sie die oft allein segelnden Fahrtensegler haben.

Wir sind gespannt, welche Ansichten und Erfahrungen andere Sharkies dazu haben!
Viele Grüße und auf dass die obigen Szenarien nicht eintreten mögen!
Daxwert
Becker
Beiträge: 100
Registriert: 25.08.2017, 13:00

Re: Rettungsinsel oder Schlauchboot

Ungelesener Beitrag von Becker »

Hallo Daxwert,
ich glaube wir haben die gleiche Rettungsinsel oder besser Rettungsfloss. Meine ist auch von Lalizas. Sie wiegt aber nur ca. 9 Kilo.
Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass ich das Ding auch in einem Notfall unter Deck hervorkramen kann.
Ich fahre mit der Shark keine Hochseetörns, aber schon mal weiter weg von der Küste. In diesem Jahr von der italienischen Küste nach Korsika.
Viele Grüsse
Roland
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